Ich denke, eher hoffe ich, unsere Justiz hat da Mittel zur Hand, diese Prozessverschleppung zu sanktionieren, sollte sie dräuen.
Bevor man diese irrsinnigen Papiermengen irgendwie einführen kann, müssen sie ja erst geschrieben werden.
Und, ja, die Justiz verfügt über solche Möglichkeiten.
Grundsätzlich sind solche Papiere Urkunden und Urkunden werden in den Prozess eingeführt, indem sie verlesen werden. Der Strafprozess ist noch ziemlich oldschool, da gilt, was vor dem Gericht im gesprochenen Wort erörtert wird. Deshalb müssen Zeugen auch etwas wiederholen, was sie schon x-Mal bei der Polizei ausgesagt haben, weil es eben vor Gericht noch nicht gesagt wurde und ihre Aussage mit ihren eigenen Worten unmittelbarer ist, als der mittelbare Weg über das Vernehmungsprotokoll (geschrieben in der Regel vom Polizisten).
Damit das Gericht aber keinen Notar* zum Verlesen in den Saal beordern muss (was das kostet!), hat das Gericht auch die Möglichkeit, das sogenannte "Selbstleseverfahren" anzuordnen. Die Beteiligten (Richter, Verteidigung, die Staatsanwaltschaft kennt die Urkunde in der Regel ohnehin bereits) müssen sodann ausreichend Gelegenheit erhalten, das Schriftstück in Eigenregie zur Kenntnis zu nehmen. Dazu darf dann ein armer Wachtmeister (oder jemand aus der Geschäftsstelle aka "Serviceeinheit") die Selbstlesemappen in hinreichender Zahl kopieren und verteilen. Irgendwann im Prozess fragt der Vorsitzende dann, ob alle die im Selbstleseverfahren einzuführenden Urkunden kennt und dann nicken alle, weil alle brav zu Hause die Selbstlesemappe studiert haben.**
Fitzeks Redearien im Prozess wird der Vorsitzende abzukürzen wissen, dafür besitzt er die Verhandlungsleitung. Redet Fitzek nicht zum Thema, wird ihm recht schnell das Wort entzogen (also praktisch nach dem zweiten oder dritten Satz). Das einzige, was im Ansatz "problematisch" sein könnte, ist das letzte Wort. Da wird man ihm angesichts der Schwere der Vorwürfe und den in Rede stehenden Haftjahren durchaus ein paar Stunden bzw. den einen oder anderen Tag zubilligen müssen. Da ist der Angeklagte recht frei. Aber auch das geht vorbei bzw. wird irgendwann so repetitiv, dass der Vorsitzende das irgendwann (nach Stunden oder Tagen!) wird abkürzen können.
* Der Beruf des Notars besteht zu einem großen Teil darin, Urkunden zu verlesen. Stammt noch aus Zeiten mit deutlich geringeren Alphabetisierungsquoten. Weil Notare pro erledigtem Geschäft bezahlt werden, zum Teil sehr fürstlich bezahlt werden und daher ein gewisses Interesse daran haben, die Angelegenheit trotz mehrseitiger Urkunden (z.B. Verträge...) zügig hinter sich zu bringen, haben viele sich ein beeindruckendes Vorlesetempo zugelegt. Gerüchten zur Folge gibt es Urteile dazu, wie schnell "zu schnell" ist.

** Richter an Strafgerichten und Schöffen sind dafür bekannt, zu den schnellsten und effektivsten Lesern zu gehören, die in kürzester Zeit ganz beeindruckende Berge an Dokumenten erfassen können.