Autor Thema: Sächsische Verhältnisse und ungelöste Probleme  (Gelesen 16737 mal)

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Offline Grashalm

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Abend Leute,

ich hab mich jetzt ein paar Stunden durch das Forum gelesen und bin dabei auf die Diskussion gestoßen warum die AfD im Osten so hohe Stimmenanteile auf sich vereinen kann.

Bei der ganzen Diskussion fehlte mir allerdings eine Frage, was kann man tun um die Ursachen zu beseitigen, die dazu geführt haben, dass die AfD im Osten so stark geworden ist (gilt analog auch für entsprechende Gebiete im Westen)?

Generell ist das eine Frage, die mir in der ganzen Diskussion (innerhalb wie außerhalb des Forums) zu kurz kommt. Statt dessen stehen sich "Ossis" und "Wessis" gegenüber und hauen sich die immer gleichen Argumente um die Ohren aber eine wirklich brauchbare Idee hat keiner! Das regt mich an der ganzen Sache wirklich auf. Dir Probleme bleiben ungelöst und schwellen immer weiter vor sich hin.

Mich ärgert das jedenfalls tierisch.
 
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Offline dieda

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Die Ossis und Wessis kommen hier schon ganz gut miteinander klar, gerade weil es hier gar nicht um Harmonie geht.
Wir genießen sogar die Reibungen, die jeweils individuelle Sicht auf die Dinge.

AfD setzt aber auf Masse, Zugehörigkeit durch Ausgrenzung, Gruppendynamik, Konformität und Macht. Das ist das andere Konzept.

Besorg Dir mal Elias Canetti, https://de.wikipedia.org/wiki/Masse_und_Macht leider aktueller denn je.
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Offline Anmaron

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Eine brauchbare Alternative hat leider die AfD auch nicht. Die haben wieder mal die Juden aus der Schublade geholt, nur dass die bei der AfD diesmal Moslems, Migranten und Goldstücke heißen. Juden mögen sie trotzdem nicht, aber das ist Standardprogramm. Warum die AfD so stark geworden ist? Keine Ahnung, es waren die Anderen.
« Letzte Änderung: 18. Februar 2019, 06:48:37 von Anmaron »
Wer sich politisch nicht engagiert, hilft im Grunde jenen, die das Gegenteil von dem wollen, was man selber für wichtig und richtig hält. (Alain Berset)
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Offline Rabenaas

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... Statt dessen stehen sich "Ossis" und "Wessis" gegenüber und hauen sich die immer gleichen Argumente um die Ohren aber eine wirklich brauchbare Idee hat keiner! Das regt mich an der ganzen Sache wirklich auf. Dir Probleme bleiben ungelöst und schwellen immer weiter vor sich hin.

Mich ärgert das jedenfalls tierisch.

Das hat sich (zumindest hier in Berlin und Umland) doch schon sehr gebessert. Vor 25 Jahren hätte ich dir voll und ganz recht gegeben; aber heute sieht es doch schon ganz anders aus. Meine Freundin und ich sind "Wessis"; sie lebt in einem Ort nahe Berlins und der ganze dortige Freundes- und Bekanntenkreis besteht weit überwiegend aus "Ossis" unserer Altersgruppe - so um Ende 50 rum. Und dies ollen Ost-West-Debatten sind da nun wirklich kein Thema mehr.

Und bei den jungen Leuten fragt doch erst recht keiner mehr, wer wo herkommt.
Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!
 
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Offline A.R.Schkrampe

@Grashalm: es ist etwas müßig und vor allem anstrengend, wegen deines Anliegens die deutsche Geschichte der letzten 70 Jahre durchzukauen (und vereinzelt noch ein paar Jahrzehnte und -hunderte zurückzugehen).

Denn darauf,  und an der Art und Weise, wie jeder Einzelne durch diese Geschichte gekommen und geprägt wurde, hängen alle heutigen Befindlichkeiten und Auffassungen jedes Einzelnen.


@Rabenaas kann ich nicht beipflichten. Meine Erfahrungen -ich habe angeheiratete Verwandtschaft mit DDR-Vergangenheit- decken sich nicht mit den Deinigen.

Immerhin kann/darf ich mich in dieser Runde dazu äußern - familienintern habe ich zu diesem Thema aus friedenspolitischen Gründen einen Maulkorb verpaßt bekommen.
Mal sehen, ob ich mich im Mai unter Kontrolle halten kann. Da steht eine Jugendweihe an...

Anm.: ich bin einer der der ganz wenigen Wessis, die sich in den 80er Jahren für die DDR interessiert haben.
Wir waren einzelne belächelte Freaks. Im Westen lebte man mit dem Rücken zur Mauer. Die DDR fand schlichtweg nicht statt.

Eine Aussage, mit der ich vor einigen Jahren einen in der DDR aufgewachsenen Herrn Jahrgang 1949 völlig aus der Fassung brachte.  Er hatte die Reden westdeutscher Politiker zum 17.Juni für bare Münze genommen  :dontknow:
 
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Offline Goliath

Die Jugendweihe wirst du schon überstehen ist ja keine Erfindung von uns. :salut:
 

Offline Rabenaas

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@Rabenaas kann ich nicht beipflichten. Meine Erfahrungen -ich habe angeheiratete Verwandtschaft mit DDR-Vergangenheit- decken sich nicht mit den Deinigen.

Immerhin kann/darf ich mich in dieser Runde dazu äußern - familienintern habe ich zu diesem Thema aus friedenspolitischen Gründen einen Maulkorb verpaßt bekommen.
Mal sehen, ob ich mich im Mai unter Kontrolle halten kann. Da steht eine Jugendweihe an...

Hmmm... also Tabuthemen haben wir da wirklich keine. Wenn doch, muß ich sie versehentlich vermieden haben. Äußerst unwahrscheinlich bei meinem losen Schandmaul.

Im Westen lebte man mit dem Rücken zur Mauer. Die DDR fand schlichtweg nicht statt.

Stimmt. Meine Eltern haben noch "Dein Päckchen nach drüben" geschickt, aber ich kannte die Ostverwandschaft gar nicht mehr. Und 1989 gab es sie tatsächlich nicht mehr.
Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!
 

Müll Mann

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Ich hab eeher so das Gefühl, dass das Osssi-Wessi-Thema bei den Wessis gerade kein Thema (mehr) ist, während es noch genug Ossis gibt, die sich bei der Wende zu kurz gekommen fühlen und das Thema daher weiter auf dem Zettel haben. Der Wessi merkt das gar nicht und der Ossi fühlt sich bestätigt.

Allerdings ist die AfD auch im ländlichen Westen stark, mit allein dem Ost-West-Schisma ist das nicht zu erklären. Der Gegensatz Stadt/Land scheint mir da eine hilfreichere Erklärung zu sein. Die Stärke im Osten kommt einfach daher, dass es im Osten mehr Land gibt als im Westen und das Land im Osten weiter entvölkert wird. Diese Entvölkerung führt zum Frauenmangel und dann sind wir ganz schnell bei den zu kurz gekommenen alten weißen Männern.

Die AfD mit Ossi-Wessi erklären zu wollen, halte ich für eine zu starke Vereinfachung.
 
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Offline Rabenaas

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Die AfD mit Ossi-Wessi erklären zu wollen, halte ich für eine zu starke Vereinfachung.

Dann hätte sie auch keine Wahlerfolge im Westen...
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Offline dieda

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Eines muss man der AfD lassen: Sie betreibt die permanente Vorwärzverteidigung, ist ständig am Provozieren und schafft damit erfolgreich Aufmerksamkeit für sich selbst. Aber das eigentliche Novum ist m.E., dass sie es regelmäßig schafft, sich dabei erfolgreich als Opfer zu inszenieren, auch wenn sie dabei kiloweise Dreck am Stecken hat.

Neue Parteien wollten ja immer irgendein konkretes Ziel erreichen. Bei der AfD ist es mal anders, bei gibt es keine klaren Ziele und Konzepte, nur eine grandiose Opferinszenierung, die sogar noch gegen Migranten funktioniert und es schafft, ein 16jähriges Mädchen zur pychsisch kranken "Gefährderin" umzudefiniern. Eine Partei, die also nicht für etwas kämpft, sondern gerade mal den Stammtisch in das Parlament getragen hat und bei der Gelegenheit mal ein paar "Schuldige" laut "beim Namen" nennt, auch wenn es bisweilen die völlig Falschen sind (Johden, Gender-Frauen, "Messermörder", Altparteien und "Klimakinder").

Diese professionelle Opferinszenierung ist m.E. die größte und vermutlich auch einzige Quelle ihres Erfolgs, weil sie mit genau diesem Muster in Ressonanz zu ihrem Klientel geht und denen sogar eine 2. "Chance" in ihren Reihen bietet: den wirklich Abgehängten und Beschädigten, den erfolglosen oder schon gescheiterten Geschäftemachern, den abgestürzten Narzissten, den tragischen Pechvögeln, den vom "GenderKlimawandel" bedrohtem Macho, dem dauermotzenden Malle- Rentner, den etwas burschikoseren Exemplaren von der Fraktion der "Verfolgten des linksgrünfaschistischen Schuldkults", dazu allen sonstigen "Berufsopfern" weie denen mit den offenen Vorwenderechnungen, denen mit den offenen Wenderechnungen und denen mit den offenen Nachwenderechnungen und sogar denen, die noch gar keine Opfer sind, aber schon mal Angst haben, eines werden zu können...

Und an der Stelle kommt schon ein gewisser Ost- Westunterschied zum Tragen, aber nur, weil sich im Osten tatsächlich größere Bevölkerungsteile aus der illustren Opferecke angesprochen fühlen, die sich entweder in ihrem Motzwinkel verkrochen hatten zu sehr mit sich selbst beschäftigt waren oder per se mit der Demokratie "gedickscht" hatten.

Ich kann nur hoffen, dass es den meisten aus diesem illustren Haufen irgendwann mal selbst zu "bunt" wird, und sie merken, mit wem sie in einem Topf stecken und welchen merkwürdigen Leuten sie da zusammen hinterher laufen und dass die Ziele und die Lösungen, die die noch im Ärmel haben, allenfalls noch mehr grässliche Opfer bringen wird, aber keine echte Lösung. Aber einige merken leider auch nie was.

Wenn man aber hier wirklich was verändern will, darf man also nicht nur das Symptom, sprich die blaurote Sammlungsbewegung des professionellen Opfertums bekämpfen. Das regelmäßige Rumgequike und Rumgeopfere, wenn man diese falsche Opfertum entlarft zeigt ja auch, dass da der Finger wohl in der Wunde ist. Aber vielleicht soll dieser ganze Spuk ja auch gerade eine echte Lösung verhindern, denn sie bindet ja seit einigen Jahren für sich schon enorme gesellschaftliche Energien.

Und vielleicht hat die Lösung ja auch irgendwas mit "Freiheit für" und Würde zu tun, Art. 1 GG. Aber was weiß ich.
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Offline A.R.Schkrampe

@Rabenaas: das heikelste Tabuthema ist die Stasi.
Obwohl Wessi, habe ich genug Hintergrundkenntnisse, um zu wissen, daß die Behauptungen der Ostverwandtschaft, dort nicht aktiv gewesen zu sein, erlogene Verdrängung ist.

@Müll Mann: das Ossi-Wessi-Dings war im Westen noch nie ein Thema. Das Interesse war auf eine kurze Zeit Anfang der 90er beschränkt und war auch nicht tiefergehend, mehr so der Reiz des Exotischen.
Es kühlte sehr rasch sehr kräftig ab und führte über Desinteresse bis zu blanker, aber damals nur selten offen geäußerter (heute ist es anders) Ablehnung.
Gründe dafür waren Lichtenhagen, Hoyerswerda, die Wahlerfolge von PDS, NPD, DVU und REPsen sowie die immens hohen Zahlungen, die in den Osten gegangen sind, Steuern, aber nicht minder die Transferleistungen der Sozialversicherung.

Was hingegen im Gegensatz zum Osten im Westen völlig unbeachtet blieb, von unmittelbar Betroffenen abgesehen, waren die Themenkomplexe Stasi, Treuhand sowie Rückübertragungen an Alteigentümer.


Müllis Einschätzung, daß die AfD eine Stadt-Land-Sache ist, teile ich nicht.
Es ist mehr eine Oben-Unten-Sache, bzw. eine Frage von Bildungshintergrund und sozialer Herkunft.
Je gebildeter und wohlhabender, desto geringer die AfD-Affinität.
Hier in NRW ist das überdeutlich zu sehen. Die AfD ist nur in -meist städtischen- sozialen Brennpunkten wie Gelsenkirchen stark und spielt in -auch ländlichen- Besserverdienerwohnorten, etwa wohlhabenden Kommunen im Münsterland, keine Rolle.
Im Ruhrgebiet geht es besonders kleinteilig zu. Da liegen die Extreme -ja, auch die Welten- manchmal nur in fußläufiger Entfernung auseinander.
« Letzte Änderung: 18. Februar 2019, 23:04:40 von A.R.Schkrampe »
 
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Offline dieda

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@A.R.Schkrampe

Das Thema Stasi musst Du aber nochmal differenzieren:

In die Wendegewinner, in die Wendeverlierer und dann die beiden Gruppen nochmal in die mit und in die ohne gute Beziehungen zu Vladimir und seine Paten. Dann verstehst Du schon eher, wer sich hier mit wem zofft, und das sehr robust und nicht nur auf die feine englische, wie man das vielleicht in den westlichen Besatzungszonen erwarten würde.

Das mit dem Bildungsgrad stimmt auch nur bedingt, da auch die Bildungseliten im Osten nach 1990 nochmal neu gemischt wurden. Dazu kommt noch ein Problem im Osten: es fehlt in der Breite mindestens eine liberale Bildungsgeneration, nämlich eine zwischen 1990 bis ca. 2000, die zwar die intellektuellen Möglichkeiten, aber nicht die Mittel hatte, um zu studieren. Und genau die wurde ersetzt durch eine Gruppe, die zwar nicht immer so die intellektuellen Möglichkeiten, aber dafür die Mittel hatte, woher auch immer. Die spielen jetzt teilweise "Elite".

Der harte Kern der AfD hat natürlich schon ein Ziel und ein politisches Ideal und zeigt das auch ganz offen, nicht nur mit dem blau, weiß, rot im Logo: Die Plutokratie nach russischem Vorbild. Also die moderne Form von dem, was der alte Adolf eigentlich mal wollte und faktisch praktizierte, auch wenn er beharrlich das Gegenteil behauptete und dies dem "Gegner" unterstellte und am Ende doch nicht (mehr) so richtig hingekriegt hat. Und genau da schließt sich der Kreis.
« Letzte Änderung: 18. Februar 2019, 23:41:32 von dieda »
D adaistische I lluminatinnen für die E rleuchtung D es A bendlandes

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Offline A.R.Schkrampe

Mit meinen DDR-Kenntnissen habe ich vorhin meine Frau genervt, als wir den ersten Teil des -durchaus spannenden- Zweiteilers "Walpurgisnacht" schauten.

Mich störte, daß den Machern offensichtlich die damaligen Gegebenheiten unbekannt sind. Ein derartiger Geschehensablauf war völlig unmöglich.

- das Opfer hätte nicht einfach so in die DDR fahren können. Idstein liegt nicht in einem grenznahen Landkreis. Nur wer dort wohnte, konnte, sofern er den "Berechtigungsschein zur Erteilung einres Visums im Kleinen Grenzverkehr" besaß, kurzfristig in die DDR fahren. Alle Anderen mußten Wochen vorher ein Visum beim VPKA im zu besuchenden DDR-Bezirk beantragen.

- Schierke und Umgebung war Sperrgebiet und durfte von Westlern nicht besucht werden

- es war außerhalb der Sektorenübergänge zwischen West- und Ost-Berlin nicht möglich, zu Fuß in die DDR einzureisen.

- das Opfer hätte eine Vollmacht vom Vater benötigt, um mit dessen Auto einzureisen

- es gab in der DDR keine privaten Pensionen und Hotels (mir Leuchtwerbung schon mal gar nicht).

- Westliche Ausländer durften nicht außer bei im Visum genannten Verwandten/Bekannten nicht privat übernachten. Einzige Ausnahme war die Leipziger Messe

- Volkspolizeidienststellen hatten keine Leuchtschilder

- DDR-Offizielle sagten niemals "Bundesrepublik" und "Ost-Berlin".

Um nur einmal die gröbsten Schnitzer zu nennen.

Misswahlen gab es in der DDR m.W. auch nicht.
 

Offline Arno

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@A.R.Schkrampe

Hab mal für mich selber zwei Sachen gegengecheckt, die ich nicht glauben wollte oder konnte. Vielleicht ja interessant:

1)
Zitat
- es gab in der DDR keine privaten Pensionen und Hotels

Ein paar scheinen nicht enteignet worden zu sein, bzw. erhielten ihr Eigentum zurück (ob das allerdings von Dauer war, habe ich nicht herausgefunden):
Zitat
Die Enteignungen in Oberhof waren gewissermaßen das Pilotprojekt für die folgenden großen Aktionen "Rose" und "Edelweiß" an der Ostsee und in den schönsten Gegenden der ostdeutschen Mittelgebirge, die für den FDGB-Feriendienst geräumt wurden. [...] Der Aufstand vom 17. Juni 1953 in der DDR trug dazu bei, dass einige wenige Eigentümer ihre Pensionen zurückerhielten.
http://www.spiegel.de/einestages/hotelenteignungen-in-oberhof-a-946622.html

Zitat
1953 durchsuchten Hunderte Polizisten in der "Aktion Rose" mehr als 700 private Hotels, Gaststätten oder Pensionen an der Ostseeküste. Der Vorwurf: Die Hoteliers würden "illegal eingeführte Westwaren" verkaufen und für die "Agentenzentralen des amerikanischen Imperialismus" arbeiten. Am Ende der Aktion wurden 440 Hotelbesitzer enteignet und unter dem Vorwand krimineller Machenschaften verhaftet.
http://www.spiegel.de/einestages/verreisen-in-der-ddr-a-948359.html


2)
Zitat
Misswahlen gab es in der DDR m.W. auch nicht
Die meiste Zeit nicht, erst gegen Ende der DDR dann:
Zitat
"Miss-Wahlen" waren in der DDR bis in die 1980er-Jahre hinein unerwünscht gewesen. Sie galten als kapitalistische Erniedrigung der Frau. Und so musste die erste "Miss-Wahl" noch halb konspirativ stattfinden.
Kandidatinnen für erste Miss Frühling der DDR
[...]

In einer Disco namens "Feuerwache" im Berliner Stadtbezirk Marzahn gab es im April 1986 eine Premiere im Arbeiter- und Bauernstaat - eine Schönheitskonkurrenz. 26 junge Frauen wetteiferten in dem als "Kulturveranstaltung" deklarierten Wettbewerb um den Titel "Miss Frühling".
[...]
Der Wettbewerb um die "Miss Frühling" 1986 in der Marzahner "Feuerwache" markierte dann schließlich den Startschuss für weitere und quasi offizielle Schönheitskonkurrenzen. Auf die "Miss Frühling" folgte die "Miss Sommer", die "Miss Eberswalde" und ein Jahr später, 1987, die "Miss Berlin", die anlässlich der 750-Jahr-Feierlichkeiten der Hauptstadt während des großen Festumzugs sogar an Erich Honecker vorbei defilierten durfte.
[...]
Der Fernsehreporter betrat Neuland, als er 1987 von der Wahl zur "Miss Frühling" in Ost-Berlin berichtete. Gekürt wurde sie von einer prominenten Jury. (04.06.1987)

[...]
Inflationäre "Miss-Wahlen" im untergehenden Osten

Die erste und einzige Wahl zur "Miss DDR" wurde freilich erst zwei Wochen vor dem Ende des sozialistischen Staates abgehalten.
https://www.mdr.de/damals/archiv/schoenheitskoenigin100.html
„Die Forderung einer großen Mehrheit der Bürger dieser Vereinigten Staaten vorwegnehmend, ernenne ich, Joshua Norton, [...] mich selbst zum Kaiser dieser Vereinigten Staaten." 17.09.1859
 
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Offline Mr. Devious

Entschuldigt den Kalauer, aber Miss Wirtschaft gab es auch.
Was heißt hier Gegenargument? Ich brauch kein Gegenargument, ich bin ja selber dagegen! (Gerhard Polt, Ein verärgerter Enzyklopädist)
 
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