Es geht hier um die Pseudologia phantastica („Lügensucht“), nicht um den Wahn der Psychotiker IMHO. An und für sich sowas wie der harmlose Typ im Dorf dem man hinterherlacht und ihn ab und an was reizt um eine neue Geschichte zu hören. Kein Krimineller an sich. Er benutzt das vielleicht (aber eben eher nicht) zur Verteidigung bei Anschuldigungen. Hier haben wir es - meiner Meinung nach - mit einer gefährlichen Kombination zu tun, nämlich zusätzlich was Demokratieblehnung, Betrugssachen und so angeht. Resistent gegenüber der Realität. Ohne Experte zu sein: er kann verurteilt werden. Er hat beispielweise seine möglichen Straftaten eingefädelt, geplant, organisiert. Hatte sich Zeit dazu genommen, Wochen vielleicht Monate. Es gibt ein älteres psychiatrisches Gutachten aus Augsburg, das ist aber nicht öffentlich. Es hatte bereits damals nicht dazu geführt daß er als nicht bestrafbar galt.
Beruflich hatte ich manchmal mit dem AAA Phänomen zu tun: anschleichen, abhängig machen und abzocken. Beispiel: reiche ältere Dame im Altersheim ohne Erben oder Kinder. Das abhängig machen geht dann einher mit Entzweiungsversuchen zur Familie, wie hier ganz klar auch. Wie bei Sekten und Aussteigern.
Wikipedia:
Mit dem Begriff Pseudologia phantastica („Lügensucht“) bezeichnet die Psychiatrie seit Anton Delbrück (1891) den Drang zum krankhaften Lügen und Übertreiben. Häufiger wird heute der Begriff pathologisches Lügen verwendet. (...) In der modernen psychiatrischen Klassifikation wird diese Störung unter „andere Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen/artifizielle Störung“ (ICD-10: F68.1) eingeordnet. In Abgrenzung zum Wahnhaften im Rahmen von Psychosen oder anhaltend wahnhaften Störungen (ICD-10: F20, F22) kann der Pseudologe seine Überzeugung im Licht der Realität revidieren. Jedoch hält die Störung vergleichbar der Kategorie F22 lange an, ohne dass sie von Phasen der Normalität unterbrochen wird. Es finden sich in der Regel
keine aktuellen äußeren Anlässe für das Verhalten (wie z. B. bei sogenannten „Notlügen“), so dass ein innerer Anlass als Ursache angenommen werden kann.
Heinz Kohut (1971) lieferte einen tiefenpsychologischen Beitrag zum Verständnis dieser Neigung zur Unwahrheit. Er unterscheidet Lügen, die auf dem Boden einer unzureichenden Verinnerlichung der normgebenden
Eltern im Rahmen des Ödipuskomplexes entstanden und daher psychotherapeutisch besser zugänglich seien, von Lügen als Folge einer
frühkindlichen Verwahrlosung. Menschen, die schon in der Säuglingszeit auf idealisierbare Eltern hätten verzichten müssen, ersetzten diesen Verlust durch die Phantasie der
eigenen Allmacht (Größen-Selbst). Die zur Schau gestellte
Verachtung für alle Werte und Ideale diene der Abwehr und Verleugnung einer Sehnsucht nach einer idealisierbaren Elternfigur bzw. der Neigung, idealisierende Übertragungen herzustellen. Die Gefahr, die von diesen Übertragungen ausgehe, sei die einer traumatischen Zurückweisung durch das idealisierte Objekt, mit der Folge unerträglicher narzisstischer Spannung und schmerzhafter Beschämung und Hypochondrie. Der
Stolz dieser Patienten auf die Geschicklichkeit, mit der sie rücksichtslos ihre Umwelt manipulieren, diene zusätzlich dazu, zu verhindern, dass Leere und Mangel an Selbstwertgefühl an die Stelle der fortwährend kriminellen Aktivität des Größen-Selbst, in Wort oder Tat, treten.
Der Kriminologe Hans von Hentig (1924) beschrieb in seiner Studie über den Cäsarenwahnsinn des Kaisers Tiberius die Pseudologie als ein pathologisches Mittel zur Anpassung an das jeweilige soziale Milieu. „Pseudologie kann ihn zum gerissenen Diplomaten machen, antisoziale Tendenzen können sich als Ordnungssinn, Gerechtigkeitsfanatismus, religiöse Orthodoxie, Sittlichkeitsstrenge, Kriegslust auswirken.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Pseudologie