Es ist ein Forschungsprojekt.
Er möchte die Hufeisentheorie verifizieren.
Spoiler
Interviews in rechtsextremen Publikationen
Der langjährige Linkenpolitiker Dehm, vormals SPD-Bundestagsabgeordneter, PDS-Bundesvize und Schatzmeister der Europäischen Linken, Mitinitiator der legendären „Rock gegen Rechts“-Festivals und Texter des Klaus Lages Kult-Hits „1000 und 1 Nacht“, kennt seit langem keine Berührungsängste nach rechtsaußen. Dehm, Redner und Mitinitiator bei Querdenker-Kundgebungen und vermeintlichen Friedens-Demonstrationen sowie Friedensprozessionen, ist der Auffassung, dass sich „linke und rechte Patrioten“ gemeinsam gegen „Mainstream“ und für den „Frieden mit Russland“ und gegen Israel vereinen sollen. O-Ton Dehm: "Es muss die Brandmauer weg, es darf nicht länger in alten Schützengräben gedacht werden." Die Idee, dass sich Links und Rechts als „Querfront“ gegen „die da oben“ zusammenschließen, kursiert seit Jahrzehnten als Traum in manchen rechtsextremen Kreisen. Während der Jahre der Corona-Pandemie gehörte Dehm zu den entschiedensten Kritikern von Maßnahmen und Impfpflicht.
Neuerdings macht Dehm als Interviewpartner mit den rechtsextremen Zeitschriften „Compact“ und „Aufgewacht!“ auf sich aufmerksam. In „Aufgewacht!“ orakelt das linke Urgestein verschwörungsmysthisch: Demnach sei es „dem geheimdienstlich-medialen Komplex unter Leitung des Bundesnachrichtendienstes und der CIA professionell gelungen, die deutsche Antifa in seine Gewalt zu bringen. Also den guten Namen `Antifaschismus´ zu enteignen und für Kräfte zu nutzen, die einen dritten, atomaren Weltkrieg in Kauf nehmen. Deswegen muss sich ein anständiger Antifaschist der Feindseligkeit dieser Etiketten-Schwindler im NATO-Auftrag unter dem Tarn-Namen Antifa oder Linkspartei geradezu aussetzen."
Dehm auf rechter Buchmesse
Auf die Frage des-„Aufgewacht!“-Interviewers Michael Brück, eines Neonazis, „Herr Dehm, Sie gelten als prominenter Befürworter einer gemeinsamen Friedens-Volksfront, die aus Anhängern des traditionell linken und rechten politischen Lagers gebildet werden soll. Können Sie in einigen Worten skizzieren, wie Sie sich eine solche Zusammenarbeit vorstellen? Gibt es bereits positive Beispiele, bei denen dieses spektrenübergreifende Zusammenarbeit funktioniert?“, antwortet Dehm: „Einerseits, indem gemeinsam auf die Straße gegangen wird gegen den Staatsterrorismus von Selenskyj und den von Netanjahu. Nur mal angenommen, Oskar Lafontaine und Tino Chrupalla stünden gemeinsam auf einer Bühne am Brandenburger Tor, dann vibriert doch die Republik!“ „Aufgewacht!“ war bis Frühjahr 2025 das Sprachrohr der rechtsextremen Kleinstpartei „Freie Sachsen“ und fusionierte dann mit der „Deutschen Stimme“, dem Sprachrohr der in Die Heimat umbenannten NPD.
In „Compact“ beklagt Dehm, zugleich „Compact“-TV-Interviewgesprächspartner, die „unheimlich koordinierte Medien-Hetzjagd auf Tino Chrupalla“ und die „Medienvorgabe: Russenhass“. Das Interview mit „Compact“ schmückt ein Foto, das Dehm im Gespräch mit „Compact“-Verlagschef Andre Poggenburg, einst sachsen-anhaltischer AfD-Landesvorsitzender, auf der ersten extrem rechten Buchmesse in Halle am 8. November letzten Jahres zeigt. Die FAZ stufte die Buchmesse als „organisierten Angriff auf den Rechtsstaat“ ein. Dehm dagegen begrüßt als „Marxist“ das „Engagement, fern staatlicher Finanzierung, zur Schaffung eines neuen, freien Lesefestes“.
Diskussionsrunde mit AfD-Funktionären
Irritiert über den Auftritt von Dehm auf der Buchmesse zeigte sich der Neonazi Sascha Krolzig in der Postille „N.S. Heute“: „Der ehemalige Stasi-Mitarbeiter Dieter Dehm betätigte sich jahrzehntelang in den volksfeindlichen Parteien SPD, PDS und Die Linke, und hat 2016 nach eigenen Angaben einen Afrikaner im Kofferraum seines Fahrzeugs nach Deutschland geschleust - heute jubeln ihm Besucher einer `rechten´ Messe zu.“
Am 6. November, kurz vor der Buchmesse, diskutierte der „linke Freigeist“ Dehm, so der neurechte Ideologe Benedikt Kaiser, mit dem AfD-Ehrenvorsitzenden Alexander Gauland und dem Vorsitzenden der AfD-Fraktion Brandenburg, Christoph Berndt, im Potsdamer Landtag. Vielleicht sollte Höcke, dem Dehm in einem TV-Streitgespräch 2025 bescheinigt hat, „kein Faschist“ zu sein, diesen aufrufen, in die AfD einzutreten. Was vor Jahren noch bei Sahra Wagenknecht auf taube Ohren stieß, stößt vielleicht bei Dehm zwischenzeitlich auf Zustimmung.