Die Systempresse war auch vor Ort.
Fun Fact aus dem Artikel, Pakete nimmt der Daniel immer an, egal wie sein Name geschrieben ist, nur bei Briefen macht er einen Unterschied.
Spoiler
Sie kommen aus der ganzen Schweiz, aus Österreich und Deutschland: Gut 150 Menschen versammeln sich in Braunau, um Daniel Halter beizustehen. Sein Wohnhaus mit Scheune soll heute zwangsgeräumt werden, heisst es. Es handelt sich um sogenannte Staatsverweigerer. Menschen, die den Behörden ihre rechtlichen Befugnisse absprechen.
Daniel Halter sieht sich nach wie vor als Eigentümer des Hauses. Er wäre «vermutlich froh um Zeugen» hat er auf dem Nachrichtendienst «Telegram» geschrieben. Man kennt ihn in der Szene wegen seiner Posts und von Vorträgen. Seine Anhänger sind da aus Solidarität und weil ihrer Meinung nach der Staat kein Recht zur Zwangsräumung hat. Halter ist ein grossgewachsener, schlanker Mann. Er stellt sich auf einen Stapel Holz, betont, dass alle freiwillig hier sind. Dann erklärt er, dass die Räumung abgesagt worden sei. Er habe es aus einem Mail des Konkursamtes erfahren. In der Nachricht sei weder sein Name noch eine Adresse gestanden. «Vermutlich zu viele Zeugen», sagt jemand in der Runde mit breitem Grinsen.
Der Bruder stellt die Rechtslage klar
Die Anwesenden wirken etwas verunsichert, was nun weiter geschehen soll. Dann ergreift der Bruder von Daniel Halter das Wort, Hans-Peter Halter. Er sagt, dass man den Konkurs hätte abwenden können, doch Dani sei nicht auf das Angebot eingegangen: «Er hätte das Haus retten können, wenn er gewollt hätte.» Rechtlich sei die Sache gelaufen, sagt Hans-Peter Halter: «Es ist nicht relevant, ob man das jetzt gut oder schlecht findet.» Das Haus sei vom Konkursamt versiegelt worden, wer sich auf dem Platz aufhalte, begehe Siegelbruch.
Sie sind teils von weit her angereist, um Zeugen der Zwangsräumung zu werden.
Mit diesen Worten geht Hans-Peter Halter auf die andere Strassenseite. Es sind nur ein paar Meter, doch es wirkt, als trete er in eine andere Welt. Die Halters sind eine eingesessene Braunauer Familie. Der Vater war sogar Ortsvorsteher, das versiegelte Haus ist das Elternhaus. An seinen Bruder komme er nicht mehr heran, sagt Hans-Peter Halter und man spürt, dass ihn dies emotional belastet. Mit Blick auf die Menschengruppe meint er: «Die haben ihre eigene Wahrheit.»
Der Vater war Ortsvorsteher
Daniel Halters Wahrheit ist, dass keine konkreten Forderungen gegen ihn offen seien. Er pocht darauf, dass sämtliche Schreiben der Behörden ihn nicht betreffen, da sie lediglich an «Daniel Halter» und nicht korrekt an ihn, «Halter, Daniel», adressiert seien. David Zimmermann, der Braunauer Gemeindepräsident, kennt die Argumentation. Er sagt: «Wir verstehen es auch nicht.» Seltsam dünkt ihn, dass Päckli immer entgegengenommen worden seien, unabhängig davon, in welcher Reihenfolge der Name geschrieben war.
Wie Halter ist auch David Zimmermann in Braunau aufgewachsen. Wenn sie sich treffen, würden sie sich grüssen, mehr nicht. Halters Wandel sei während Corona passiert. Von Seiten der Gemeinde habe man relativ viel probiert, um einen gemeinsamen Weg zu finden, sagt Zimmermann. Doch immer sei irgendetwas angeblich nicht richtig gewesen. Man habe schliesslich kapituliert: «Auch wir kommen nicht mehr an ihn heran.»
Termin war keine Zwangsräumung
Der Privatkonkurs über Daniel Halter wurde bereits Ende November 2024 eröffnet. Roger Wiesendanger, Leiter des Amtes für Betreibungs- und Konkurswesen, bestätigt denn auch, dass es offene Forderungen gegenüber Daniel Halter gibt: «Sonst hätte das zuständige Bezirksgericht keinen Konkurs eröffnet.»
Es sei aber kein Termin zur Zwangsräumung des Hauses angesetzt gewesen. Sondern: «Wir wollten der Familie Gelegenheit geben, persönliche Sachen aus dem Haus zu holen.» Aus «sicherheitstechnischen Gründen» sei der Termin dann abgesagt worden. Im Klartext: Die Behörden haben Wind von dem geplanten Treffen in Braunau bekommen.
Nach wie vor können Halter und seine Familie aber nach vorgängiger Absprache mit dem Konkursamt jederzeit persönliche Gegenstände aus dem versiegelten Haus holen, betont Wiesendanger.
Zur Schreibweise des Namens sagt Wiesendanger: Man verwende den amtlichen Namen, wie er auch im Einwohner-, Handels- und Eigentumsregister oder im Grundbuch stehe. Wie viele Staatsverweigerer es im Thurgau gibt, kann Wiesendanger nicht sagen. Aber: «Im Amt für Betreibungs- und Konkurswesen haben die Fälle in den letzten Jahren deutlich zugenommen.»
Die Räumung steht bevor.