Mit der Parteilinie hatte es herzlich wenig zu tun und Starmer ist auch nicht torpediert worden. Britische Politik funktioniert ohnehin anders als wie man das hier gewohnt ist. Das Programm (the "manifesto") einer Partei mit dem sie zur Wahl antritt ist dort weitaus verbindlicher als deutsche Wünsch-dir-was-Wahlprogramme. Premier und Regierung sollen das zuvor verkündete Programm umsetzen und werden daran gemessen. Feiner granuliert kommt das Programm dann in der Regierungserklärung, die vom König verlesen wird und wieder ein großes Maß von Verbindlichkeit besitzt. Die Regierung ist damit konkret gebunden. Sie bestimmt über die Ausführung und die Prioritäten aber sie kann die erklärten Dinge nicht ins Gegenteil verkehren. Sie kann Dinge vertagen, was ihr aber schnell Vorwürfe einbringt. Und sie kann nur bedingt neue Sachen anpacken, die nicht im Programm standen.
So war Starmer und ist nun auch Burnham z.B. daran gebunden, den Brexit nicht wieder aufzumachen, obwohl sie wohl wissen, dass es klüger wäre. Aber laut Programm und Erklärung wird daran nicht gerührt. Sie können oder könnten maximal die Weichen dafür stellen, dass ein EU-Wiederbeitritt im nächsten Wahlkampf im Programm steht und nach der Wahl umgesetzt werden könnte.
Starmers Probleme begannen früh nach dem Sieg und seinem Honeymoon. Die schwachbrüstigen Finanzen, die die Tories hinterlassen hatten, waren deutlich übler als befürchtet. Weswegen Labour einen breiten Rundumschlag mit neuen Steuern, Steuererhöhungen und etlichen Kürzungen eingebracht hat, der im Grunde gut ausbalanciert war aber einen Heizkostenzuschlag für Senioren komplett gestrichen hat. Dieser milliardenschwere Zuschlag war Unsinn, weil unzählige reiche Alte besonders davon profitiert haben. Aber die rechtsgewirkte Presse auf der Insel hatte in Nullkommanix lauter Omas in Schottland und Wales, die dank Starmer vermutlich im nächten Winter erfrieren würden.
Starmer war erstaunlich unfähig damit umzugehen und erwies sich trotz gar nicht mal schlechter Politik auch weiterhin als konstantes und auch kaum belehrbares Kommunikationsdesaster. Sein Wackelkurs im Umgang mit Trump war vom Ergebnis her gut aber bot natürlich viel Potential für hasserfüllte Kritik, der er nicht entgegen trat. Während er zur Lach- und Wutnummer verkam, schien der technokratische ehemalige Staatsanwalt im heiliger Naivität daran zu glauben, dass das Volk auf die Ergebnisse seiner Politik warten würde, um ihn danach gerecht zu beurteilen.
So funktioniert Politik aber nicht und schon gar nicht in Großbritannien. Zum letztendlichen Verhängnis wurde Starmer aber ironischerweise Jeffrey Epstein. Denn Starmer hatte Baron Mandelson als Botschafter in den USA durchgesetzt, weil der einen sehr guten Draht zu Trump hatte. Nur blöderweise eben auch zu Epstein in dessen Akten sich wenig appetiliche Bezichtungen zu und fragwürdige Fotos von Mandelson fanden. Das war der Skandal in dem auch Prince Andrew seiner Titel entledigt wurde und bei der Polizei vorzusprechen hatte. Mandelson wurde sofort gefeuert aber im Urteil aller war daran eigentlich wieder nur der sowieso komplett unfähige Starmer schuld.