Autor Thema: Post-Brexit: Die Beziehungen zwischen EU und UK  (Gelesen 105337 mal)

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Offline Rabenaas

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Keir Starmer ist soeben als Premierminister zurückgetreten

Nein, erst einmal nur als Parteichef. Premierminister bleibt er bis zur Wahl eines Nachfolgers.


Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!
 
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Offline Reichsschlafschaf

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Bezahlschranke, aber die Große Erlösung kam wohl bisher nicht.

Vermutlich ist die pöhse EU schuld …?


Zitat
Zehn Jahre Brexit
Die große Ernüchterung

In Boston in Lincolnshire stimmten vor zehn Jahren mehr Menschen für den EU-Austritt als irgendwo sonst in Großbritannien. Heute sind viele der Probleme von damals immer noch ungelöst. Die Enttäuschung über den Brexit hat den Aufstieg von Reform UK befördert.

Susanne Ebner
Aus Boston in Lincolnshire berichtet Susanne Ebner
22.06.2026, 16:08 Uhr
 
Über den Kirchturm, den die Bewohner wegen seiner fehlenden Spitze nur „Stumpf“ nennen, ziehen an diesem Dienstag im Juni weiße Wolken, das Wetter ist britisch, Sonne und Regen wechseln sich ab. In der Fußgängerzone hasten Menschen mit Einkaufstaschen vorbei, Autos schieben sich durch den Feierabendverkehr.

Nicola Todd ist auf dem Heimweg, als sie stehen bleibt und die Straße hinunterblickt. Früher, sagt die 51-jährige Engländerin, sei die Stadt vertrauter gewesen. Heute sei Boston überbevölkert, das Krankenhaus ständig voll. Einen Zahnarzttermin zu bekommen, sei nahezu unmöglich. Für weniger als
https://www.rnd.de/politik/nirgendwo-war-die-brexit-zustimmung-hoeher-doch-die-stadt-hat-ein-problem-IVODHQWLZFFGVL7GHEURYAVID4.html
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Offline BlueOcean

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Andy Burnham, der ehemalige Bürgermeister von Manchester, wird voraussichtlich Mitte Juli der neue Premier. Der war vor einer Weile von Starmer blockiert worden als er ins Parlament wollte und musste daher jetzt erst einmal durch eine By-Election (aka Nachwahl), um überhauot Premier werden zu können. In einem Distrikt, wo zuvor Farages "Reform UK" die Mehrheit hatte. Weswegen Farage natürlich zuerst Morgenluft witterte und dann nahezu explodierte, weil ein noch rechterer Haufen namens "Restore Britain" mit der kongenialen Unterstützung von X/Musk daher kam, um Farage seinen sicheren Sieg zu rauben.

In einer beispiellos guten Kampagne hat der populäre Burnham die Wahl aber auf sich und auf die Frage nach dem Regierungschef fokussiert, weswegen er trotz dem Ärger der Leute über Labour einen deutlich Sieg errungen hat und weit mehr Wähler auf sich vereinen könnte als "Reform UK" und "Restore Britain" zusammen.

Also mit die besten Voraussetzungen für einen klaren Neustart, dem der stets brave Starmer dann auch nicht mehr im Weg stehen wollte.
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Offline Rabenaas

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Ich weiß ja nicht - der Halbzeitwert britischer Premierminister ist inzwischen so kurz bemessen, daß man in der Zeit nicht mehr viel auf den Weg bringen kann.
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Ich weiß ja nicht - der Halbzeitwert britischer Premierminister ist inzwischen so kurz bemessen, daß man in der Zeit nicht mehr viel auf den Weg bringen kann.

Wie sagte Larry der "Chief-Mouser" von Downing Street 10 gestern so schön - das wird dann jetzt der 7. Premier in meiner Herrschaftszeit

An Rüdiger Hoffmann: Der Faschist sagt immer, da ist der Faschist  (in Anlehnung an die Signatur des geschätzten MitAgenten Schnabelgroß)

Wir kamen
Wir sahen
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Ich weiß ja nicht - der Halbzeitwert britischer Premierminister ist inzwischen so kurz bemessen, daß man in der Zeit nicht mehr viel auf den Weg bringen kann.

Hat sich mal jemand Gedanken gemacht, was man mit der Energie, die beim Zerfall eines Premierministers frei wird, alles machen könnte?
Ich denke, die Energieprobleme des UK wären erst einmal gelöst …
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Offline kairo

Hat sich mal jemand Gedanken gemacht, was man mit der Energie, die beim Zerfall eines Premierministers frei wird, alles machen könnte?
Ich denke, die Energieprobleme des UK wären erst einmal gelöst …
Wohl kaum, denn dabei entsteht im Wesentlich nur heiße Luft, und Wärme ist nun mal technisch betrachtet die geringwertigste Energieform.

(Ja, ich weiß, in einem KKW entsteht auch nur Wärme, bloß keine Luft, die Dinger sind eigentlich bessere Teekessel, aber dennoch schwärmen manche Leute, man könnte damit alle Energieprobleme lösen, wenn man nur genug davon hätte.)
 
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Offline Rabenaas

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Bemerkenswert:

Zitat
Hochrechnung: Bis Ende 2028 ist jeder Brite einmal Premierminister gewesen

London (dpo) - Mit Keir Starmer ist erneut ein britischer Premierminister nach kurzer Regierungszeit zurückgetreten. Dabei wird der hohe Verschleiß von Regierungschefs laut einer neuen Hochrechnung der Royal Society langsam zum Problem für das Königreich: Demnach ist bei anhaltendem Trend bis 2028 jeder Brite einmal Premierminister gewesen.

Der Postillon am 24.06.2026
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Online theodoravontane

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Bemerkenswert:

Zitat
Demnach ist bei anhaltendem Trend bis 2028 jeder Brite einmal Premierminister gewesen.

Das sind doch gute Nachrichten. Irgendwann muss ja mal eine dabei sein, die es kann …
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In der Tat haben viele Staaten eine sehr viel stabilere Regierung. Z.B. Russland, China, Sudan.

IMHO kommt es entscheidend darauf an, wie der Übergang ist. Selbst wenn die ganze Labour-Party durchrotiert, wäre das egal, wenn sie alle die gleiche Politik vertreten.

Spannend also: Was wird der neue anders machen? Die linken Pali-Fans in Reddit rotieren jedenfalls auch kräftig. Ansonsten meint die KI, dass er mehr Kredite aufnehmen wolle, enger an die EU binden will (höhö, falls die EU das will), stärker dezentralisieren und erneuerbare Energien etwas stärker fördern.

Und was davon waren eigentlich die Kritikpunkte an Starmer?

Ich kenn mich im UK kaum aus.
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Offline nixweiter

Selbst wenn die ganze Labour-Party durchrotiert, wäre das egal, wenn sie alle die gleiche Politik vertreten.
[...]
Und was davon waren eigentlich die Kritikpunkte an Starmer?

Soweit ich es verstehe ist genau dass der Ursprung. Die Parteilinie ist nicht durchgängig. Er hatte Sozialreformen angekündigt, aber wurde dann auch aus der Partei heraus torpediert.

Starmer hat das Thema Brexit eher umschifft und mit Argumenten um Immigration am rechten Rand gefischt, was die Progressiven in der Partei gegen ihn aufbrachte.

Es scheint mir als wäre Starmer gescheitet weil er nicht Labour genug ist.


In wie weit die Verbindung des Wirtschaftsministers zu Epstein mit einschlug kann ich auch nicht beurteilen, das Thema ist bei mir kaum angekommen.
« Letzte Änderung: 25. Juni 2026, 09:57:20 von nixweiter »
Dummheit hat Grenzen: Mexico und Canada.
 
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Offline BlueOcean

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Mit der Parteilinie hatte es herzlich wenig zu tun und Starmer ist auch nicht torpediert worden. Britische Politik funktioniert ohnehin anders als wie man das hier gewohnt ist. Das Programm (the "manifesto") einer Partei mit dem sie zur Wahl antritt ist dort weitaus verbindlicher als deutsche Wünsch-dir-was-Wahlprogramme. Premier und Regierung sollen das zuvor verkündete Programm umsetzen und werden daran gemessen. Feiner granuliert kommt das Programm dann in der Regierungserklärung, die vom König verlesen wird und wieder ein großes Maß von Verbindlichkeit besitzt. Die Regierung ist damit konkret gebunden. Sie bestimmt über die Ausführung und die Prioritäten aber sie kann die erklärten Dinge nicht ins Gegenteil verkehren. Sie kann Dinge vertagen, was ihr aber schnell Vorwürfe einbringt. Und sie kann nur bedingt neue Sachen anpacken, die nicht im Programm standen.

So war Starmer und ist nun auch Burnham z.B. daran gebunden, den Brexit nicht wieder aufzumachen, obwohl sie wohl wissen, dass es klüger wäre. Aber laut Programm und Erklärung wird daran nicht gerührt. Sie können oder könnten maximal die Weichen dafür stellen, dass ein EU-Wiederbeitritt im nächsten Wahlkampf im Programm steht und nach der Wahl umgesetzt werden könnte.

Starmers Probleme begannen früh nach dem Sieg und seinem Honeymoon. Die schwachbrüstigen Finanzen, die die Tories hinterlassen hatten, waren deutlich übler als befürchtet. Weswegen Labour einen breiten Rundumschlag mit neuen Steuern, Steuererhöhungen und etlichen Kürzungen eingebracht hat, der im Grunde gut ausbalanciert war aber einen Heizkostenzuschlag für Senioren komplett gestrichen hat. Dieser milliardenschwere Zuschlag war Unsinn, weil unzählige reiche Alte besonders davon profitiert haben. Aber die rechtsgewirkte Presse auf der Insel hatte in Nullkommanix lauter Omas in Schottland und Wales, die dank Starmer vermutlich im nächten Winter erfrieren würden.
Starmer war erstaunlich unfähig damit umzugehen und erwies sich trotz gar nicht mal schlechter Politik auch weiterhin als konstantes und auch kaum belehrbares Kommunikationsdesaster. Sein Wackelkurs im Umgang mit Trump war vom Ergebnis her gut aber bot natürlich viel Potential für hasserfüllte Kritik, der er nicht entgegen trat. Während er zur Lach- und Wutnummer verkam, schien der technokratische ehemalige Staatsanwalt im heiliger Naivität daran zu glauben, dass das Volk auf die Ergebnisse seiner Politik warten würde, um ihn danach gerecht zu beurteilen.

So funktioniert Politik aber nicht und schon gar nicht in Großbritannien. Zum letztendlichen Verhängnis wurde Starmer aber ironischerweise Jeffrey Epstein. Denn Starmer hatte Baron Mandelson als Botschafter in den USA durchgesetzt, weil der einen sehr guten Draht zu Trump hatte. Nur blöderweise eben auch zu Epstein in dessen Akten sich wenig appetiliche Bezichtungen zu und fragwürdige Fotos von Mandelson fanden. Das war der Skandal in dem auch Prince Andrew seiner Titel entledigt wurde und bei der Polizei vorzusprechen hatte. Mandelson wurde sofort gefeuert aber im Urteil aller war daran eigentlich wieder nur der sowieso komplett unfähige Starmer schuld.
« Letzte Änderung: 26. Juni 2026, 15:24:10 von BlueOcean »
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Also ich glaubte, durchaus auch vernommen zu haben, dass man im UK sehr unzufrieden mit dem aktuellen Stand der Wirtschaft, dem NHS und dem Zustand ganz allgemein ist.

OK  :scratch:

Also das manifesto schreibt eine schlechte Linie vor, und wenn der Premier das durchführt, wird er rausgeworfen, weil's den Briten schlecht geht, wenn er das nicht durchführt, wird er rausgeworfen, weil er das manifesto nicht einhält?

Burnham kann es in der Sache somit nicht besser machen, sondern müsste auch die Annäherung an die EU unterlassen und reichen Senioren mehr Geld zuschieben, das knapp ist. Zudem muss er mit einer Presse kämpfen, die seit Brexit sehr erfolgreich Dinge verdreht. Die finanzielle Lage ist mies, gemessen wird er an der Einhaltung des manifesto und sicher auch daran, inwiefern er die Dinge wenigstens verbessert.

Was macht Boris Liar Johnson eigentlich?
Hat das UK irgendwo ein Endlager für ausgestrahlte prime minister?
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Also ich glaubte, durchaus auch vernommen zu haben, dass man im UK sehr unzufrieden mit dem aktuellen Stand der Wirtschaft, dem NHS und dem Zustand ganz allgemein ist.

Das ist alles richtig und eine deutliche Mehrheit ist mittlerweile davon überzeugt, dass der Brexit ein Fehler war. Aber die Mehrheit, die daraus folgert, dass Großbritannien der EU wieder beitreten sollte ist vorhanden aber weitaus weniger deutlich.

Und politisch ist das Terrain komplett vermint. Fûr einen Wiedereintritt müsste Großbritannien die gesamte längliche Eintrittsprozedur durchlaufen, die üblicherweise länger dauert als eine Legislaturperiode. Wer den Stein ins Rollen bringt wird also niemals selbst politisch davon profitieren. Zumal die Briten dann die Kröte schlucken müssten, dass sie ihre nie so ganz gerechtfertigten Sonderrechte in der EU nicht (in dem Umfang) wieder bekämen. Und Europa hat lange schon mitgeteilt, dass sie kein Interesse an einem Beitritt haben, solange die Briten nicht mit wirklich überzeugender Mehrheit und der Unterstützung aller relevanten Parteien zurück in die EU wollen. Ergo kann ein Premier oder ein Parteiführer allein da wenig ausrichten.

Während sich die immer noch lautstarken Brexit-Befürworter längst in einem kuscheligen Phantasia befinden, dass der Brexit eigentlich doch ganz prächtig sei und nur von den schlaffen Tories nicht hart genug durchgeführt worden sei. Brexit-Urvater Nigel Farage hat einen erstaunlichen Erfolg damit mit seiner Hasstruppe "Reform UK" die Tories zu beerben und würde sich vermutlich freuen wenn irgendwer politisch Bedeutsames das Brexit-Fass wieder aufmachen würde. Was könnte er dann jahrelang darüber tröten wie das heilige Königreich dem finsteren EU-Moloch aus dem bösen Brüssel geopfert werden soll. Mit einer sensationsgeilen Presse, die nichts besseres zu tun hätte als den Konflikt immer weiter aufzukochen.

Ich denke, dass viele Briten schlicht keinerlei Nerv für eine Wiederaufführung der endlosen Auseinandersetzung haben, die schon beim letzten Mal nicht gut für sie geendet ist. Dumm gelaufen, ich kann es nicht mehr hören, Schluß der Diskussion. "Stiff upper lip."

PS: Der EU annähern kann sich Burnham und Starmer hat das auch schon getan. (Entsprechendes stand auch nett verklausuliert im Manifesto). Sie können nur keinen Beitritt beantragen oder sich dem gemeinsamen Markt anschließen.

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UK müsste sich mindestens hinter der Ukraine und der Türkei anstellen, was natürlich mit ihrem Nationalstolz als Exweltmacht nicht vereinbar ist.

Eher passiert sowas wie bei der Schweiz, also wg. Marktzugang an alle Regeln gebunden sein, aber keinerlei Mitsprache.
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