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Großherzog Friedrich Maik verkauft jetzt auch Pässe: So machen die Reichsbürger in MV Kasse
In Güstrow haben Behörden über den Umgang mit den sogenannten Reichsbürgern beraten. Denn deren Zahl in MV steigt – und die Gewaltbereitschaft unter ihnen steigt, warnt der Verfassungsschutz. Wer die führende Person der Szene ist und wie gefährlich sie eingeschätzt wird.
Die Auftritte des selbst ernannten Monarchen Friedrich Maik und seiner Anhänger – sie mögen skurril wirken. Doch Gerichtsvollziehern, Finanzbeamten und Polizisten ist das Lachen längst vergangen: Der Verfassungsschutz in MV warnt vor einer wachsenden Gefahr durch die sogenannten Reichsbürger im Nordosten.
Sorgen bereitet den Sicherheitsbehörden aber vor allem das Gewaltpotenzial: Bundesweit ist etwa jeder zehnte Reichsbürger gewaltbereit, in MV hingegen sogar jeder fünfte. „Wir beobachten eine hohe Affinität zu Waffen. Egal ob der Besitz legal oder illegal ist“, so MV-Verfassungsschutzchef Thomas Krense. Knapp acht Prozent der bekannten Reichsbürger stuft der Verfassungsschutz auch als rechtsextrem ein, deutlich mehr als im Bundesschnitt.
Der bekannteste Reichsbürger des Landes, der selbst ernannte Großherzog Friedrich Maik, fällt zunehmend durch rassistische und antisemitische Äußerungen auf, heißt es seitens der Behörde. Er verkauft jetzt sogar eigene Pässe.
Gewalt, Beleidigungen, Bedrohungen
Reichsbürger sind überzeugt, dass die Bundesrepublik keine Legitimation hat und die monarchischen Kleinstaaten aus der Zeit vor der Weimarer Republik weiter Bestand haben. Insgesamt etwas mehr als 700 Personen zählt der Verfassungsschutz in MV aktuell zu der Szene.
Etliche Reichsbürger weigern sich, Steuern oder auch Bußgelder zu bezahlen. Stehen dann die Behörden vor der Tür, kommt es in zunehmendem Maße zu Straftaten. „Beleidigungen, Nötigung, Bedrohung – aber auch Gewalt.“ 2024 wurde etwa ein Vollstreckungsbeamter angegriffen. Gegen eine Verwaltungsmitarbeiterin erwirkten Reichsbürger nach der sogenannten Malta-Masche einen Schuldentitel von mehr als 20 Millionen Euro. „Damit sollen die Behörden eingeschüchtert werden“, so Krense.
500 Gäste bei Symposium
Am Donnerstag (5. Februar) veranstaltete der Verfassungsschutz ein Symposium rund um das Thema „Reichsbürger“. Gerichtsvollzieher, Finanzbeamte und auch Polizisten berichteten von ihren Erfahrungen. Der Verfassungsschutz hatte auf 150 Teilnehmer gehofft, am Ende waren es mehr als 500. „Auch das zeigt, wie groß das Thema ist“, so Verfassungsschutzchef Thomas Krense.
„Gezeugt bei einem DDR-Besuch“
Eine der bekanntesten Figuren der Szene ist Großherzog Friedrich Maik, mit bürgerlichem Namen Maik Geikler. Er taucht seit Jahren in den Verfassungsschutzberichten auf. Seine Legende: Er sei der uneheliche Nachfahre der Monarchen von Mecklenburg-Strelitz, gezeugt bei einem DDR-Besuch.
Um den Erben des Großherzogtums zu schützen, sei er mit falscher Identität aufgewachsen. Nun fordert er sein Recht, will eine parlamentarische Monarchie einführen.
„Er behauptet, er stehe bereits in Kontakt mit Ministerpräsidentin Manuela Schwesig für die Übergabe der Amtsgeschäfte“, so Krense. Hätte sich Geikler in der Staatskanzlei gemeldet – der Verfassungsschutz wüsste davon.
Der falsche Monarch gibt eigene Pässe aus
Der falsche Großherzog hält Stammtische im gesamten Land, auch im Ausland, ab – und kassiert dafür Eintritt. 12,50 Euro pro Person. Er verkauft „Fanartikel“ im Internet (das Trinkglas für 20 Euro, die Autofahne für 19 Euro) und zuletzt auch Reisepässe des Großherzogtums.
Eine Anfrage der OZ, mit welcher Legitimation er Passdokumente ausgebe und was die kosteten, bleibt unbeantwortet. Im Internet lässt sich ein solcher Pass für 100 Euro beantragen.
Einen falschen Pass vorzulegen, kann für die Reichsbürger teuer werden: 2017 wurde eine Schwerinerin zu 1500 Euro Strafe wegen Urkundenfälschung verurteilt, weil sie mit einem Reichsbürger-Pass nach Malta fliegen wollte.
Auch Fragen zu offensichtlich antisemitischen und rassistischen Verschwörungstheorien im Social-Media-Netzwerk Telegram beantwortet Maik Geikler nicht. Dort schreibt er unter anderem von einem „unheiligen Bund von Linken, jüdischen Milliardären und Kommunisten“.
Ob er gefährlich ist? Krense zieht einen Vergleich zur 2022 durch eine bundesweit durchgeführte Razzia aufgelösten Reichsbürger-Gruppe „Patriotische Union“ um Prinz Reuß, die den gewaltsamen Umsturz des politischen Systems in Deutschland vorbereitet hat: „Prinz Reuß wäre vermutlich auch nicht derjenige gewesen, der die Türklinke zum Reichstag als Erster gedrückt hätte.“ Soll heißen: Selbst wenn Geikler selbst bisher nicht als gewalttätig aufgefallen ist – seine Anhänger sind es.