Autor Thema: War das schon ein "Reichsbürger" oder nur ein "normaler Querulant"  (Gelesen 534 mal)

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Offline Gutemine

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Ich bin von Bekannten auf diesen alten Fall aufmerksam gemacht worden. Friedrich Leibacher, der im Jahr 2001 wohl Amok gelaufen ist. Wie mir gesagt wurde, hat er seinerzeit schon mit typischen Reichsbürgerargumenten gearbeitet und schon damals viel Wert darauf gelegt ein "echter Mensch" zu sein.
In einer Diskussion über die Szene wurde mir, als es darum ging wie lange die Behörden/Verfassungsschutz weggesehen haben, gesagt ich solle mich nicht beklagen, schließlich hätte man in Deutschland ja nach dem Fall Plan reagiert, in der Schweiz würde man das immer noch nicht erkennen und da wären es einige Tote mehr gewesen. Dann habe ich mich auf die Suche im Netz gemacht...und... man findet eine Menge, mehr, als ich hier verlinken kann/will.  :o

Schaut man sich das so an, könnte da schon was dran sein und mir stellt sich die Frage: Warum können die dann in der Schweiz immer noch so ungehindert agieren? Warum war das damals nicht schon genug um auch in Deutschland (bzw. Österreich etc.) einen genauen Blick auf die Szene zu werfen?

Vielleicht hat ja @Helvetia da noch andere Infos.  :scratch:

https://de.wikipedia.org/wiki/Zuger_Attentat

https://www.tagblatt.ch/ostschweiz/stgallen/sympathien-fuer-den-attentaeter-von-zug-gossauer-nationalratskandidat-ruft-auf-facebook-zu-gewalt-auf-ld.1149307

https://www.luzernerzeitung.ch/zentralschweiz/zug/zug-einer-laesst-in-sachen-attentat-nicht-locker-ld.106921



Im zweiten Video kommt ein Gerichtspsychiater zu Wort (ab ca. 0.50), mir scheint, da wird der Obererpel oder andere "Köpfe" aus unserer Klientel beschrieben.

« Letzte Änderung: 13. September 2019, 12:35:32 von Gutemine »
 
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Re: War das schon ein "Reichsbürger" oder nur ein "normaler Querulant"
« Antwort #1 am: 13. September 2019, 12:45:17 »
Ob er ein "Reichsbürger" war, sei mal dahingestellt. Aber wer tötet, ist kein "normaler Querulant" (was auch immer man sich darunter vorstellen soll, für mich ist das ein Widerspruch in sich).
Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!
 
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Offline dtx

Re: War das schon ein "Reichsbürger" oder nur ein "normaler Querulant"
« Antwort #2 am: 13. September 2019, 12:48:16 »
Zum eine kann man die Verhältnisse in der Schweiz und Deutschland nicht unmittelbar vergleichen, zum anderen die Vorkommnisse in Zug und Georgensgemünd nicht. Und schließlich schaute auch Deutschland vor "Plan" lange genug weg, wenn es um Angriffe gegen Amtsträger, deren rechtliche Würdigung und die Fürsorgepflicht des Dienstherrn und Gesetzgebers für die Bediensteten ging und macht das bis heute. Bis heute wird verschiedendlich mit der waffenrechtlichen Unzuverlässigkeit unserer Kundschaft gehadert und ihr im Rahmen ihrer parteipoltischen Betätigung Vertrauenspositionen zugestanden.

Das mag zwar nicht nur in Betriebsblindheit, sondern auch in regulären und rechtsstaatlichen Abläufen begründet liegen, es gibt aber dennoch keinen Grund, die Schweiz mit dem Vergleich zu Deutschland zu kritisieren.
Mit jedem Greis, der in Afrika stirbt, verbrennt eine Bibliothek.

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Offline Schreibtischtäter

Re: War das schon ein "Reichsbürger" oder nur ein "normaler Querulant"
« Antwort #3 am: 13. September 2019, 12:50:26 »
Wenn man sich dieses "Manifest" durchliest war er Querulant, kein Reichsdepp... er greift zwar handelnde Personen an, spricht den Institutionen aber nicht das Handlungsrecht ab. Ist bei der Schweiz auch eher schwer, weil es da als Alternative nur die Habsburger Herrschaft vor der Eidgenossenschaft gibt :)

Zum Widerspruch: Sehe ich nicht so. Auch ein Querulant kann morden und ein Reichsbürger muss nicht morden um einer zu sein. Das Thema ist nicht die Tat an sich, sondern das Motiv... statt "normer Querulant" ist "Racheakt" auch treffend.
 
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Offline Gelehrsamer

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Re: War das schon ein "Reichsbürger" oder nur ein "normaler Querulant"
« Antwort #4 am: 13. September 2019, 13:34:06 »
https://www.tagblatt.ch/ostschweiz/stgallen/sympathien-fuer-den-attentaeter-von-zug-gossauer-nationalratskandidat-ruft-auf-facebook-zu-gewalt-auf-ld.1149307

Der Herr Egli ist zwar nicht mit der Maus ausgerutscht, war aber aufgrund einer Virusinfektion (laut "Blick" am Zeh) unzurechnungsfähig? Offenbar wurde das Hirn in Mitleidenschaft gezogen.

Im Grunde hat er aber wohl nur ausgesprochen, was manche RD sonst nur still denken. Bedauerlicherweise ist es daher notwendig, mittlerweile wohl flächendeckende Zugangskontrollen bei öff. Gebäuden durchzuführen. Trotzdem fürchte ich, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis ein bewaffneter Reichsirrer versucht, seinem Frust gewaltsam ein Ventil zu verschaffen. Es sind mittlerweile einfach zu viele geworden.
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Offline Helvetia

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Re: War das schon ein "Reichsbürger" oder nur ein "normaler Querulant"
« Antwort #5 am: 13. September 2019, 14:27:11 »
Der Fall ist mir natürlich in Erinnerung und die Doku habe ich auch irgendwann schon mal gesehen. Ich stimme @Schreibtischtäter voll und ganz zu: Der Reichsdeppen-Szene war dieser Mann nicht zuzuordnen. Ohnehin geschah diese Amoktat im Jahr 2001, als selbst die "frühesten" Schweizer RD noch lange nicht auf diesem speziellen Holzweg gelandet waren.

Menschen, welche so etwas sagen bzw. solche Vergleiche ziehen:

wurde mir, als es darum ging wie lange die Behörden/Verfassungsschutz weggesehen haben, gesagt ich solle mich nicht beklagen, schließlich hätte man in Deutschland ja nach dem Fall Plan reagiert, in der Schweiz würde man das immer noch nicht erkennen und da wären es einige Tote mehr gewesen.

...haben meinem Eindruck nach nicht gänzlich begriffen, was einen RD ausmacht, oder vereinfachen hier zumindest etwas sträflich bzw. werfen in einen Topf, was nicht in einen Topf gehört.

Über den Amoktäter von Zug ist bekannt, was auch in der Doku gesagt wird: Er hatte einen unsinnigen Streit mit einem Busfahrer vom Zaun gebrochen, den er sukzessive auf das ganze Busunternehmen und dann die zuständigen (und auch alle übrigen) Politiker ausweitete. Krankhaft. In Reportagen meine ich damals gelesen zu haben, dass dieser Mann auch sonst aggressiv war und sich schnell mit anderen zerstritt, so etwa mit den Mietern seines Chalets in Seelisberg (wenn ich mich recht erinnere). Gegenüber seiner dominikanischen Ehefrau soll er gewalttätig gewesen sein.
Von Äusserungen in Richtung des konstruierten reichsdeppischen "Mensch-Person"-Gegensatzes weiss ich nichts. Das heisst, entweder die Bekannten von @Gutemine haben den Mann näher gekannt und wissen mehr darüber als alle anderen - was ich für unwahrscheinlich halte -, oder sie irren sich schlicht und einfach und bringen etwas durcheinander.

*** Anderes Thema ***

Da dieser Faden nun schon aufgemacht wurde, ergreife ich aber gern die Gelegenheit, einen Vergleich zu erwähnen, der mir dieser Tage durch den Kopf geht. Wer sich an Leibacher erinnert, erinnert sich sicherlich auch an das wenige Jahre davor geschehene Sonnentempler-Drama: In den Jahren 1994-1997 begingen insgesamt 74 Mitglieder der Sekte "Ordre du Temple Solaire" in Kanada, Frankreich und der französischsprachigen Schweiz kollektiven Selbstmord und teilweise auch Mord an ihren Mitgliedern. Sie nannten es "Transit zum Stern Sirius".
Nun waren die Sonnentempler sicherlich keine Reichsbürger - sie negierten keine Staaten. (Wie sie diesbezüglich drauf wären, wenn es sie heute noch gäbe, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Die Entwicklung in diese Richtung hätte ich ihnen zugetraut. Wer weiss, vielleicht ist der Stern Sirius mittlerweile von lauter Reichsdeppen bevölkert.)
Aber wer sich über diese Sekte ein wenig schlau gemacht hat, erkennt auffallende Parallelen zu manchen Gruppierungen unserer RD. Neben beispielsweise der Sürmelclown-Truppe fällt mir besonders das KRD dazu ein.
Die Sonnentempler haben nach aussen hin nämlich auch auf friedliche Eso-Gemeinschaft, auf Biogemüse, auf den "Aufbau neuer Strukturen" usw. gemacht (im Anbauen von Kartoffeln waren sie definitiv geschickter als die Truppe des Bezopften). Dabei waren sie einem Guru hörig, der sich als Reinkarnation von u.a. Moses darstellte und seine heimlich mit einer Anhängerin gezeugte Tochter zum neuen Messias erklärte. "Papa" lässt grüssen...
Natürlich würde ich nicht so weit gehen, zu behaupten, die KRD-Anhänger würden sich irgendwann alle kollektiv oder gegenseitig umbringen. Mir fallen aber die Parallelen solcher Organisationen auf, und wer weiss, wozu sich ein Narzisst wie der Bezopfte noch hinreissen lässt, wenn er eines Tages selber begreift, dass sein Projekt den Bach runtergeht.
"Ich gebe der ganzen Thematik noch maximal zwei Jahre, dann werden Elemente rechtlich abkassiert, die hätten nie geglaubt, dass das passieren wird." - Carl-Peter Hofmann, in Deutschland per Haftbefehl gesuchter Möchtegernrichter, Frühling 2018
 
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Offline Schreibtischtäter

Re: War das schon ein "Reichsbürger" oder nur ein "normaler Querulant"
« Antwort #6 am: 13. September 2019, 14:40:12 »
Danke :)

Was eine der Grundannahmen für Sekten (und tlw. ganze Religionen), Fönichreiche und "Regierungen" ist: Die Annahme/Gewissheit, dass ein spezieller Regelsatz die eigene Gruppe aus der "umliegenden" Gesellschaft heraushebt. Allen ist gemein, dass sie sich auf Gott/Reptiloiden/Aldebaran/Mutter Gaia/Bismarck/Kaiser Wilhelm/Pittiplatsch berufen und die daraus abgeleiteten Regeln über die "AGBs" (sowohl Gesetze/Verordnungen als auch allgemeine Regeln des sozialen Umgangs miteinander) der Gesellschaft stellen. Das Aushebeln dieser Regeln ist unbedingt erforderlich für das "Funktionieren" von Sekten, Reichregierungen und anderem Kram. Um ihre Regeln zu etablieren müssen sie die alten aufheben... und hier schliesst sich der Kreis: Jene, die mit den "alten" Regeln ebenfalls Probleme haben, werden sich so einem Vorhaben anschliessen, weil damit ihre Probleme scheinbar verschwinden. Darüber hinaus wird ihnen für ihre Mitwirkung an der "Ausserkraftsetzung" Gestaltungsmacht oder zumindest Partizipation bei den neuen Regeln geboten (Freiherren irgendwo?). Wer nur von Wand bis Tapete denkt sieht darin natürlich eine Win-Win-Situation.
 
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