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Der Weg vom Parkplatz zum Steigerungslokal im Frauenfelder Westen ist gesäumt von frischem Grün der Bäume, dazu tönen die Glocken der Freiheitstrychler, ein dumpfer, schwerer Klang bei jedem Schritt. Doch der Grund, warum sie aus dem Kanton St.Gallen angereist sind, ist weniger idyllisch. Es geht um Haus und Grund von Daniel Halter aus Braunau, die heute versteigert werden.
Daniel Halter ist ein freundlicher Mann und ein bekannter Name in der Szene der sogenannten Staatsverweigerer. Da über ihn der Konkurs verhängt wurde, kommt jetzt sein Wohnhaus unter den Hammer. Zwischen 60 und 70 Gesinnungsgenossen und Sympathisanten aus der ganzen Schweiz sind da, um ihn zu unterstützen. Es wird gefilmt. Alle sind sich einig: Hier und heute geschehe ein Verbrechen.
Eine Frau aus dem Kanton Zürich hat ein gelbes Band auf ihren Pullover geklebt: «Zeitzeugin 16.4.26» steht darauf. Sie sagt, sie wolle: «Den Ablauf anschauen, erleben und nachdenken.» Ein Mann verteilt Zettel mit einer Liste, darauf kann man die Namen der «anwesenden Kriminaltäter» eintragen. Er warnt mit vielsagendem Blick: «Pass auf, es kann teuer werden.»
Die Polizisten winken ab: «Kein Kommentar.»
Auch Daniel Halter hat eine Deklaration vorbereitet, er legt Exemplare davon beim Eingang des Steigerungslokals aus. Sie liegen auf demselben Tisch, den auch die Kantonspolizei Thurgau nutzt, um die Taschen und Rucksäcke derjenigen zu durchsuchen, die an der Versteigerung teilnehmen. Wer mitbieten will, musste sich im Vorfeld anmelden.
Daniel Halter hat sich nicht angemeldet. Er betont, dass eine Versteigerung gemäss Gesetz öffentlich sein müsse. Für ihn ist dies bereits der erste Verstoss, dessen sich die Behörden schuldig machen. Auch den anwesenden Polizisten spricht Halter die Sonderrechte ab. Sie würden keine Uniform tragen, sondern lediglich Dienstkleidung. Ohne Kopfbedeckung sei eine Uniform ohnehin nicht komplett: «Dann sind sie nur privat.» Die anwesenden Unterstützer nicken zustimmend.
Der Dienstausweis sei auch nur die Zutrittsberechtigung zu den Räumen des Polizeigebäudes, sagt ein Vertreter der «Road Rebels» aus Schaffhausen, einem Verein, der sich gemäss Website um die «gemeinsame Verwaltung und Organisation von Gütern» kümmert. Die Polizisten, die Halter - begleitet von einem Mann mit Kamera - mit seiner These konfrontiert, winken ab: «Kein Kommentar.»
«Halter, Daniel» hat keine Schulden
An der Versteigerung selbst will Halter nicht teilnehmen: «Wieso soll ich etwas ersteigern, was angeblich mir gehört?» Niemand habe ihm schlüssig erklären können, wer jetzt der Eigentümer seines Hauses sei. Er habe sich überall erkundigt, beim Handelsregisteramt, beim Sozialversicherungszentrum. Teilweise habe er gar keine Antwort erhalten.
In der Logik von Daniel Halter und seinen Gesinnungsgenossen geht es um die Schreibweise des Namens, genauso wie es auf dem Krankenversicherungsausweis steht, also: «Halter, Daniel». Halter, Daniel habe keine Schulden. Oder, um es in seiner Sprache auszudrücken: «Gegen die Person mit Familiennamen Halter und dem Vornamen Daniel .... existiert kein rechtmässiger, vollstreckbarer Titel.» Andere Schreibweisen wie Daniel Halter oder D. Halter akzeptiert er nicht.
Wo keine Schulden, da auch keine Versteigerung. Die staatlichen Behörden hätten sich das Haus somit widerrechtlich angeeignet. Es handle sich um «unrechtmässigen Entzug von Privateigentum». Wer dieses Haus und das Grundstück ersteigere, mache sich der Hehlerei schuldig. Gegen den Erwerber würden umgehend private Schadenersatzforderungen in Höhe von 100 Millionen Schweizer Franken geltend gemacht, wird gedroht.
Versteigerung beginnt mit Wortgefecht
Die rund 20 Interessenten hält dies aber nicht von der Teilnahme an der Versteigerung ab, unter ihnen sind mehrere Vertreter von Immobilienfirmen. Knapp 1500 Quadratmeter misst die Liegenschaft, darauf stehen Haus und Scheune. Der von der Bank geschätzte Wert liegt bei 1,065 Millionen Franken.
Die Versteigerung beginnt mit einem Eklat, ein Mann, der wohl ebenfalls aus dem Umfeld der Staatsverweigerer stammt, pocht darauf, dass es keinen gesetzlichen Beleg für die Schulden von Halter, Daniel gebe. Erst als die Konkursverwalterin droht, ihn aus dem Saal werfen zu lassen, kann die Versteigerung beginnen. Trotzdem gibt der Mann dann das erste Angebot ab, es lautet auf 417`353 Franken. Doch er wird schnell überboten, bis zu 999`000 Franken hält er mit, dann gibt er auf. 1,305 Millionen Franken lautet das endgültige Angebot. Der neue Besitzer will namentlich nicht genannt werden.
Nach der Versteigerung macht sich unter den Staatsverweigerern eine gewisse Ernüchterung breit. Nun müsse «die Wahrheit» ans Licht, sind sie sich einig. Wie dies genau passieren werde, ist nicht klar, denn das Vertrauen in die Medien ist klein.
Aufatmen wird man wohl im Betreibungsamt, denn der Anlass ist trotz allem relativ schnell und reibungslos verlaufen. «In aller Ruhe und Sachlichkeit» so hat es Halter in seiner Erklärung geschrieben. Unterzeichnet: «Daniel aus dem Stamm Halter».