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In dem Schreiben ruft Mörig auch zur "Solidarität mit denjenigen" auf, über die namentlich berichtet worden sei. Neben psychischen Belastungen durch die ungewollte Öffentlichkeit wird von einem "teils in extrem großen Maßen finanziellen Schaden" für Teilnehmer berichtet. Es folgt eine Aufzählung, die offenbar die Dringlichkeit verdeutlichen soll, und der Wunsch, dass einige Empfänger des Briefes "auch bereit wären, mit größeren Summen die finanziellen Schäden zumindest zu begrenzen".
Mörig selbst schreibt von gut 400.000 Euro Verlust allein durch verlorene Aufträge nach dem Treffen. Weiter erwähnt er entgangenes Gehalt nach Kündigung. Und allein die Rechtsanwaltskosten, "die aufgrund des großartigen Engagements von Ulrich Vosgerau entstanden sind", sollen sich laut Schreiben schon auf fast 50.000 Euro belaufen.
Werteunion- und CDU-Mitglied Vosgerau hatte selbst an dem Treffen im Landhaus Adlon teilgenommen. Gegen Randaspekte der Berichterstattung bei "Correctiv" zog er später mit wenig Erfolg vor Gericht. Über den Kern der Recherche haben die Richter nicht befunden, sie waren kein Gegenstand des Rechtsstreits. Jurist Vosgerau muss unter anderem mehrere Tausend Euro an die Kanzlei zahlen, die "Correctiv" vertritt. Vosgerau beantwortete eine Anfrage von t-online bisher nicht.
Im Brief führt Mörig noch "diverse Ausgaben" an, die nach dem Treffen angefallen seien, "z. B. für die Erstellung unserer Homepage, die an Spitzentagen über 30.000 Zugriffe zu verzeichnen hatte". So schreibt es Mörig an den Adressatenkreis, von dem er Unterstützung erhofft. Für die Internetseite war er laut Impressum verantwortlich.
Rechtes Influencer-Projekt in Geldnot?
Geld braucht auch ein weiteres Projekt, das auf dem Treffen im Landhaus Adlon vorgestellt worden sein soll. Mörigs Sohn Arne sprach über die Gründung einer Agentur, die sich auf die Monetarisierung und Unterstützung von rechten Influencern konzentriere. Das Projekt ziele darauf ab, ein "alternatives YouTube-Netzwerk" zu schaffen, berichtete "netzpolitik.org" anhand einer unveröffentlichten Homepage des Projekts. Inhaltlich gehe es dabei nicht um den Aufbau einer neuen Plattform. Vielmehr sollen Videoblogger, die von herkömmlichen Monetarisierungsmöglichkeiten ausgeschlossen sind, von einer Agentur unterstützt werden. Ein Aspekt des Projekts sei auch die Einbindung in politische Kampagnen, insbesondere Wahlwerbung, die traditionelle Zielgruppen nicht erreiche.
Mörig Juniors Projekt war offenbar zunächst gut aufgenommen worden. "Correctiv" berichtete, dass der damalige enge Berater der AfD-Vorsitzenden Alice Weidel, Roland Hartwig, der Agentur Co-Finanzierung durch die AfD in Aussicht gestellt habe. Nur noch der Bundesvorstand müsse von dem Projekt überzeugt werden. Nach Bekanntwerden des Treffens entließ Weidel allerdings Hartwig.
Spendenaufruf für "Geschädigte"
Die Suche nach Finanzspritzen für die Videoblogger-Agentur geht offenbar weiter. Mörig setzt in seinem Brief auf spendierfreudige Geldgeber und gibt in dem Schreiben direkt eine Kontoverbindung an. Sie soll genutzt werden für Spenden, die bis zu 5.000 Euro betragen.
Es gebe auch einen Weg für höhere Spenden. Da dieser Weg "in jedem Fall den gesetzlichen Vorgaben entsprechen muss", bittet er darum, ihm diese grundsätzliche Bereitschaft "postalisch oder durch ein kurzes 'Daumen hoch' (z. B. bei Threema) mitzuteilen." Er werde dann eine direkte Verbindung zu Geschädigten herstellen, "sodass alles weitere DEZENTRAL und im direkten Austausch kreativ geregelt werden kann".
In der rechtsextremen Szene verwurzelt
Mörig hatte bereits vor seinem Ruhestand viele Kontakte zu den Reichen und Prominenten geknüpft, die ihn als umgänglichen und eloquenten Zahnarzt mit "ganzheitlichem Konzept" schätzten. Seine Ideologie trug er nicht offen zur Schau, Sahra Wagenknecht etwa bekam von ihm jahrelang "nette E-Mails" und traf sich zum Abendessen mit ihm und dem linken Kabarettisten Volker Pispers – einem Mörig-Patienten.
Es war auch 2018 nicht öffentlich geworden, dass und warum die Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität dem Zahnmediziner die Lehrerlaubnis entzogen hatte. Studenten hatten sich mit Recherchen an die Hochschule gewandt, die belegten: Mörig ist tief verwurzelt in der rechtsextremen völkischen Szene. In den 1970er-Jahren war er "Bundesführer" des "Bundes Heimattreuer Jugend" und in der Folge auch Nachfolgeorganisationen verbunden. In der Familie gibt es vielfältige Beziehung zur sogenannten Identitären Bewegung. Mörig weist zurück, rechtsextrem zu sein.
Mörig ist einer der Köpfe des sogenannten "Düsseldorfer Forums", das hinter dem Treffen im Landhaus Adlon in Potsdam steckt. Es ist ein Netzwerk aus rechten politischen Akteuren und vermögenden Personen, das unregelmäßig zusammenkommt und die Finanzierung von Projekten ermöglichen soll. Die Treffen des Kreises sind nicht öffentlich, die Teilnehmerliste wird geschützt.
Bitte um Unterstützung per Post verschickt
Konspirativ geht Mörig nun offenbar auch mit der Bitte an mögliche Unterstützer um. Er bittet die Empfänger des Schreibens, den Brief aus Sicherheitsgründen zeitnah zu schreddern und fügt hinzu: "Bitte VORHER die Kontodaten abschreiben". Der t-online vorliegende Brief wurde nicht per E-Mail, sondern postalisch an potenzielle Spender versendet. Dies sollte offenbar das Risiko verringern, dass Informationen an Dritte gelangen.
Mörig jedenfalls zeigt sich nach "intensiven Recherchen" überzeugt, dass die Information zum Treffen im Adlon entweder über einen ehemaligen Angestellten des Adlon durchgesickert sei "oder die 'Altpapierwühler' von Correctiv/Greenpeace bei jemandem erfolgreich im Altpapier geschnüffelt haben, der ebenfalls öffentlich massivst angegriffen worden ist". So schreibt er es an die potenziellen Spender. Es gebe "keine undichte Stelle aus unserem Kreis".
Verwendete Quellen
Eigene Recherchen
Spendenaufruf von Gernot Mörig, Mitorganisator des Potsdam-Treffens