Wenn der Psychologe selbst verrückt ist....
Warum ist dem so? Ich habe die ersten fünf Minuten reingeschaut und bis dahin spricht der Psychologe an, dass der Anteil bestimmter Diagnosen stark angestiegen ist bzw. Menschen mit Eigendiagnosen kommen. Er spricht von "Identitätsdiagnosen", d. h. -sofern ich mich aus anderem Zusammenhang richtig erinnere- sind das Eigendiagnosen, welche in sozialen Gruppen getroffen werden und identitätsstiftend, d. h. sie gehören zur Persönlichkeit.
Innerhalb der jeweiligen sozialen Gruppe bestärkt man sich selbst und sollte man eben keine externe Diagnose bekommen, die die eigene Diagnose bestätigt, dann ist man nicht mehr Teil der Gruppe. Dem versucht man auszuweichen, weil man in der Gruppe Rückhalt und Bestätigung gefunden hat. Aus diesem Grund werden solche identitätsstiftende (Eigen-)Diagnosen vehement verteidigt.
Das ist übrigens gut bei Schwurblern zu beobachten, weil der "besonderes Wissen" dieselbe identitätsstiftende Funktion besitzt, man bestärkt sich selbst, gibt sich Rückhalt und kämpft gegen die Out-Group (die nicht über das "besondere Wissen" verfügen).
Die Folge dieser identitätsstiftenden Diagnosen ist nun dann, dass wirklich Betroffene/Erkrankte dann im Wettbewerb um Therapieplätze stehen, plakativ ausgedrückt: Wirklich Erkrankte warten, weil jemand meint ein behandlungsbedürftiges Problem zu haben. Im Bereich der Depressionen dürfte das keine gute Perspektive sein. Ähnliches beobachtet man bei den ganzen Menschen mit selbstdiagnostizierten Impfschäden, welche dann aufgrund der schieren Masse durchaus das Gesundheitssystem belasten können.
Identitätsstiftende Diagnosen wird (ergebnisoffen) hinsichtlich der Geschlechtsangleichungen diskutiert, d. h. die Frage, ob der Wunsch nach Geschlechtsangleichung teilweise aufgrund einer sozialen Entwicklung im Bereich der identitätsstiftenden Gruppenzugehörigkeit entsteht. Jugendliche suchen halt nach ihrer Identität, sind sich unsicher und suchen nach einer Gruppe, die sie auffängt und bestätigt. Definitiv eine schwierige Diskussion, teilweise über die Köpfe Betroffener hinweg.
Diese Gruppentheorie ist in der Soziologie akzeptiert und erklärt eine Menge beobachteter Phänomene, daher könnten die angesprochenen Probleme mit den identitätsstiftenden Diagnosen durchaus real sein. Bei dem Umfang wird es bestimmt noch einige Diskussionen geben.
Ich habe insgesamt keine abschließende Meinung zu dem Umfang identitätsstiftender Diagnosen, aber einige Deppen haben mir gezeigt, dass an der Gruppentheorie etwas dran ist.