Autor Thema: Rechtsextremismus-Barometer Österreich  (Gelesen 652 mal)

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Rechtsextremismus-Barometer Österreich
« am: 29. November 2024, 19:47:03 »
Will in keinen der bisherigen Fäden so recht passen:



Zitat
Neue Studie
Drittel hat nichts gegen "starken Mann", der sich nicht ums Parlament kümmert

Ernüchternde Zahlen im ersten Rechtsextremismus-Barometer, für den das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) mehr als 2000 Personen befragte

Colette M. Schmidt
27. November 2024, 15:17

36 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher geben auf die Frage, wen sie nicht gerne als Nachbarn hätten, Muslime an. Unter jener Bevölkerungsgruppe, die man als rechtsextrem einstufen kann, sind es sogar 69 Prozent. Mit Roma/Romnja und Sinti/Sintizze beantworten 38 Prozent aller Befragten dieselbe Frage, bei den Rechtsextremen 60 Prozent.

Das geht aus der bisher umfassendsten Studie zu rechtsextremen Einstellungen in der österreichischen Bevölkerung hervor, die das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) am Mittwochvormittag präsentierte. Dazu wurden von Ende April bis Ende Mai dieses Jahres 2198 Personen online befragt, die nach Alter, Geschlecht, Bundesland und Bundesland repräsentativ für die Wohnbevölkerung im Alter zwischen 16 und 75 stehen.

Was ist Rechtsextremismus
Für die Definition von Rechtsextremismus orientierte man sich dabei an den bewährten Kriterien von Willibald Holzer im Handbuch des österreichischen Rechtsextremismus aus den 1990er-Jahren. Das Buch werde 2025 neu aufgelegt, so der Leiter des DÖW, Andreas Kranebitter, am Mittwoch. Dabei werden drei Bereiche, die zum Rechtsextremismus gehören, untersucht: das Phänomen des sogenannten Ethnozentrismus ("Volksgemeinschaft"), der Anti-Egalitarismus, also die Ablehnung des Gedankens der Gleichheit in der menschlichen Gesellschaft, der ein Herzstück von Demokratien ist, und ein Autoritarismus, der mit Gewalt einhergehen kann, aber nicht muss.

Zumindest über die Hälfte (51 Prozent) aller Befragten bejaht die Frage, ob jemand ein "guter Österreicher oder eine gute Österreicherin sein" könne, wenn die Vorfahren nicht österreichisch seien. Doch ganze 50 Prozent stimmen der "umfassenden Remigration" von Zugewanderten zu, unter den Rechtsextremen sind es 70 Prozent.

Drei Arten von Antisemitismus
Beim Antisemitismus unterschied Kranebitter zwischen dem "traditionellen, dem Israel-bezogenen Antisemitismus und dem Schuldabwehr-Antisemitismus", der gerade bei Rechtsextremen stark ansteige, auch wenn das medial oft anders dargestellt werde, so Kranebitter. Eine erschreckende Anzahl an Personen, nämlich 42 Prozent, findet, dass Israels Politik in Palästina "wie die der Nazis im Zweiten Weltkrieg" sei. Unter den Rechtsextremen bejahen das sogar 60 Prozent. Diese Aussage könnte verbotsgesetzrelevant sein, so Kranebitter.
Spoiler


"Ernüchternd" sei es für Kranebitter auch, dass mehr als die Hälfte der Befragten finde, man solle "gefährliche Menschen" noch vor einer Straftat "einsperren". Das erinnere an die sogenannte "Schutzhaft" in der NS-Zeit. Drastisch ist auch der Wert bei der Frage nach einem "starken Mann, der sich nicht um ein Parlament kümmern muss", an der Spitze des Landes, dem immerhin ein Drittel der Gesamtbevölkerung herbeisehnt, bei Rechtsextremen fast 90 Prozent.

Von den befragten Rechtsextremen wählen 58 Prozent die FPÖ, 17 Prozent die SPÖ, elf Prozent die ÖVP, sechs die Bierpartei, vier die Neos, drei die Grünen und zwei die KPÖ.

"Nicht unterschätzen"
"Man darf den Rechtsextremismus nicht unterschätzen“, fasste Kranebitter, der mit Johanna Willmann für die Studie verantwortlich zeichnet, die Ergebnisse zusammen. Die Wissenschaft habe hier eine "Diagnose gestellt" – wie man mit dieser umgehe, liege aber an der Politik. Was man jedenfalls sehe, sei ein Zusammenhang mit jahrelang gesunkenen Reallöhnen und der Angst vor einem Kontrollverlust in der Bevölkerung, "der sich in einem Ruf nach Kontrolle äußert".

Der Rechtsextremismusbericht, den das DÖW ebenso erstellte, liegt gerade zur Abstimmung im Justiz- und Innenministerium und wird in einigen Wochen veröffentlicht. (Colette M. Schmidt, 27. 11. 2024)
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https://www.derstandard.at/story/3000000246717/drittel-der-bevoelkerung-wuenscht-sich-starken-mann-der-sich-nicht-ums-parlament-kuemmert

Rechtsextremismus-Barometer:
https://www.doew.at/cms/download/c1g6t/DOEW_rex-barometer-2024.pdf

https://www.derstandard.at/story/3000000211225/rekordhoch-bei-rechtsextremen-straftaten-in-oesterreich
„Nur weil es Fakt ist, muß es noch lange nicht stimmen!“ (Nadine)

„Wenn die verdorbenen Leute sich zusammentun und dadurch eine Macht werden, dann müssen die anständigen Leute nur das gleiche tun. So einfach ist das. (Leo Tolstoi, Krieg und Frieden)
 
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