Speaker 1 Jetzt ist der Augenblick gekommen, um den neuen Staat zu gründen. Speaker 2 Als wir 2012 das erste Mal Fizek gesehen haben, waren das Bilder von seiner Krönungszeremonie in Wittenberg. Speaker 1 Erhebt eure Herzen, wir erwarten die Souveräne. Speaker 2 Eine sehr pompöse und pathetische Zeremonie. Da wurde sein Königreich ausgerufen, er hat zum König gekrönt. Speaker 3 Königreich Deutschland. Gründungsurkunde. Im Bewusstsein unserer Verantwortung schaute dem Töpfer und den Menschen. Speaker 2 Und mein Kollege und ich, wir haben damals gedacht, was für ein Spinner. Speaker 3 Schaffen wir freien Männer und Frauen gemäß unserem freien Willen heute, hier und in diesem geschichtlichen Augenblick einen neuen deutschen Staat. Speaker 2 Wir haben da zu der Zeit, muss man sagen, vielleicht noch nicht genug dahinter geguckt, dass er sozusagen ein fanatischer Antisemit ist, der es schafft, mit salbungsvollen Auftritten tausende Leute an sich zu ziehen, die ihm Geld geben. 2012 hätte ich das nicht für möglich gehalten. Speaker 4 Das ist MDR-Investigativjournalist Thomas Dutt. Er beobachtet seit Jahren die deutsche Reichsbürgerszene und dabei besonders einen Mann, der sich 2012 selbst zum König gekrönt hat. Peter Fitzek. Thomas erzählt uns heute, wie Peter Fitzek tausende Anhänger um sich scharen konnte von seiner antisemitischen Ideologie und von einem Staat, der offenbar große Schwierigkeiten dabei hat, sich selbst gegen Feinde im Inneren zu schützen. Ihr hört FKM, der Tagesschau-Podcast. Ein Thema in aller Tiefe. Mein Name ist Elena Kuch. Heute ist Montag, der 29. September. Thomas, was habt ihr über das Leben von Peter Fitzek herausgefunden? Speaker 2 Peter Fitzek ist in Wittenberg aufgewachsen, in einem Dorf, was zu Wittenberg gehört. Wittenberg war für uns ein schwieriges Pflaster. Fast jeder kennt ihn, zumindest vom Sehen, aber die wenigsten wollen über ihn reden. Das hängt zum Einladen damit zusammen, vielen passt es nicht, dass ihre Stadt mit diesem Reichsbürgerkönig in Verbindung gebracht wird. Manche haben auch Angst, weil er doch relativ viele Anhänger in der Stadt hat. Und einer der wenigen, die dann offen mit uns geredet haben, war interessanterweise ein Schulfreund, Rene Sternberg. Das ist unsere Turnhalle hier. Schade, dass wir da jetzt nicht reinkommen. Der ist mit Fitzek in demselben Dorf, was zu Wittenberg gehört, aufgewachsen, in den Kindergarten gegangen, zur Schule. Und als die Jungs den Lehrlinge waren, haben sie und andere so eine Gruppe gebildet und haben den Kraftsport für sich entdeckt. Wir sind in den 80er Jahren der DDR aus Westdeutschland, aus der Bundesrepublik, schwappte rüber die Mode mit dem Kraftsport. Und war die DDR ein Mangelland, also haben sie sich selber mithilfe der Gemeinde, die einen Raum überlassen hat, Kraftsportgeräte gebaut und haben dort trainiert. Peter Fitzek hat zu dieser Zeit Koch gelernt, hat dann später auch seine Meisterprüfung gemacht. Er musste Schichtarbeiten und deshalb hat er, wie er nicht Stern mehr gesagt, auch öfter alleine trainiert. Speaker 5 Sein Fitness, seine Ausdauer, die war schon enorm, wie unsere auch halt. Aber wir waren sehr ehrgeizig, so sahen wir danach auch aus. Peter natürlich extrem gut definiert. Und das war halt unsere Jugend. Speaker 2 Es gibt mehrere Leute, die unabhängig voneinander beschreiben, wie sie ihn als junger Mann gesehen haben, Speaker 5 weshalb er ihnen auch schon aufgefallen ist, so ein bisschen als Sonderling. Wir konnten ihn nicht mal animieren, mal ein Glas an der Bar mitzutrinken. Das ging nicht. Wir haben alle auf ihn eingeredet, unsere Mädchen, ging nicht. Er hat da seine Prinzipien gehabt. Kein Alkohol und keine Zigaretten. Definitiv nicht. Speaker 2 Im Winter ist er dort in dem Dorf, in dem er aufgewachsen ist, was zu Wittenberg gehört, auch immer Eisbaden gegangen. Speaker 5 Da hinten in den Teichen hat er auch Eisbaden gemacht, was ich natürlich überhaupt nicht kann. Ja, also das hat ihn schon bewundert. Und das hat er praktisch alleine für sich gemacht. Das hat er für sich gemacht, ja. Das war schon extrem, ja. Speaker 2 Der war also, wenn er sich was in den Kopf gesetzt hat, sehr konsequent. Also er ist jemand, der offenbar sehr willensstark ist und wenn er ein Ziel hat, dann folgt er dem konsequent. Speaker 4 Und offenbar auch bewusst anders als die anderen. Speaker 2 Das hat sich, glaube ich, dann erst in den 90er Jahren so entwickelt, dass er sozusagen sich so als besondere Person darzustellen versuchte. 90er Jahre war die Zeit nach der Wiedervereinigung, war die Zeit radikaler Umbrüche. Viele Leute haben ihre Arbeitsplätze verloren, viele mussten sich neu orientieren. Es war auch die Zeit völlig neuer, ungeahnter Möglichkeiten. Und das findet man auch in der Biografie von Fitzek. Also er hat dann nicht viel länger nach der Wiedervereinigung als Koch gearbeitet, sondern er hat dann so sich ausprobiert. Also er hat eine Videothek geöffnet, er hat einen Jeansladen, er war auch Türsteher in der Diskothek. Er hat dann eine Karate-Schule gegründet, mit jemand anders zusammen, die relativ erfolgreich war. Hat sich dann wahrscheinlich auch vermittelt oder beeinflusst durch Reisen, mehrere Reisen nach Indien, so der Esoterik zugewandt und hat dann so um die Jahrtausendwende auch einen Esoterik-Laden in Wittenberg betrieben, wo man nicht nur so das übliche Heilsteine und so weiter kaufen konnte, sondern wohl auch schon Broschüren auslagen von der rechtsextremen Partei. Die DVU, eine rechtsextreme Kleinstpartei, von einem rechtsextremen Verleger, Gerhard Frey, die 1998, völlig überraschend, in Sachsen-Anhalt deutlich mehr als 10% bei der Landtagswahl geholt hat. Speaker 6 Wahlschock, Debakel der Demokraten, rechtsextreme DVU schockt Sachsen-Anhalt, das sind die Schlagzeilen von heute Morgen. Die Sachsen-Anhaltiner haben gewählt und 13% entschieden sich für die Rechtsextremisten der Deutschen Volksunion. Speaker 2 Und Fizek ist in dieser Zeit dann auch das erste Mal aufgefallen. Wir haben mit David Wegrich gesprochen. David Wegrich ist ein Wissenschaftler aus Magdeburg, der seit mehr als 20 Jahren zu Rechtsextremismus in der Region forscht. Und der hat im Jahr 2000 in der Evangelischen Akademie in Wittenberg einen Vortrag gehalten, zu Umgang mit Rechtsextremismus. Speaker 7 Ich kannte ihn bis zum damaligen Zeitpunkt nicht. Und der neben mir sitzende Moderator flüsterte mir zu, das ist Peter Fitzek. Der hat einen Esoterikladen hier in der Innenstadt von Wittenberg. Speaker 2 Und bei diesem Vortrag, der gut besucht war, kam auch Fitzek. Speaker 7 Ja, ich hatte so den Eindruck, die Zuhörerschaft, die in der Mehrheit aus Wittenberg kam, kannte den irgendwie auch und hielt ihn so für so einen bunten Vogel. Speaker 2 Und hat sich dann in der Diskussion zu Wort gemeldet, so erzählt, David Begrich, und hat eine Broschüre aus dem DVU-Verlag hochgehalten, so lügt das Fernsehen. Speaker 7 Vizek hat diese Broschüre so hochgehalten und hat gesagt, also zum Publikum gewandt, wenn Sie mal die Wahrheit über die Vorgänge in der Welt erfahren wollen, dann müssen Sie in dieser Broschüre lesen. Speaker 2 Also im Grunde eine antisemitische Verschwörungserzählung. Speaker 7 Diese Broschüre sollte sozusagen belegen, dass die Juden im Hintergrund die Weltgeschichte, die Fäden der Weltgeschichte und der Politik ziehen. Speaker 4 Also da sieht man schon eine gewisse Radikalisierung bei Peter Fitzgerald rund um die Jahrtausendwende. Wie entsteht daraus dann die Idee, ein eigenes Königreich zu gründen? Wie schätzt du das ein? Speaker 2 Ich glaube, er hat die beiden Dinge miteinander verknüpft, diesen Rechtsextremismus und diese Esoterik, und hat versucht, sich da ein Zentrum zu stellen. Also in gewisser Hinsicht ist das, was er betrieben hat oder entwickelt hat, schon so eine Art Sekte. Allerdings geht es halt über eine Sekte hinaus, da er immer versucht hat, eine Art Gegenstaat zu gründen. Unter bewusster Missachtung der Regeln und Gesetze der Bundesrepublik, ihrer Nichtakzeptanz. Er hat dann noch vor 2010 einen Verein begründet, das hieß dann Neudeutschland. Und dann ist daraus dieses Königreich entstanden. Speaker 3 Königreich Deutschland. Die Verfassung. Präambel. Wir, freier Souverän und Treuhänder des Neuen Reiches. Speaker 2 2012 hat Peter Fitzek dann dieses Königreich in Wittenberg ausgerufen mit einer pompösen, kitschigen Krönungszeremonie. Speaker 3 Artikel 1. Das neue Deutschland führt als Staat die Bezeichnung Königreich Deutschland. Speaker 4 Lassen Sie uns dieses selbst ausgerufene Königreich Deutschland ein bisschen aufdröseln. Wie kann ich mir das vorstellen? Speaker 2 Es war zuerst in Wittenberg. Die haben dort mit dem Geld, was Anhänger praktisch dem Königreich überlassen haben, haben die ein altes Krankenhaus gekauft. Speaker 8 Das ist das Haus des Königs. Eröffnet vom selbsternannten Monarchen Peter Fitzek. Ein altes Krankenhausgelände ist sein Hoheitsgebiet. Fitzek und seine Untertanen sehen sich nicht als Bürger der Bundesrepublik. Speaker 2 Da haben auch zum Teil Leute gelebt, die da so ein bisschen sozial auch aufgefangen wurden. Die haben dort gearbeitet. Fitzeks Prinzip bestand ja immer darin, dass Leute nicht nur Geld spenden, sondern dass sie auch durch Arbeitsleistungen in den Objekten des Königsreichs zu seinem Gedeihen beitragen. Und das hat er immer ganz geschickt gemacht. Es gab auch Tage der offenen Tür, da konnten Leute kommen, es gab auch Arbeitsentsätze. Und man hat sozusagen versucht, diesen Königssitz, eine Bank und eine Versicherung sozusagen als erste Teile des Königreiches aufzubauen. Speaker 9 Unter den Augen von Polizei und Justiz ist dort eine merkwürdige Parallelwelt entstanden, mit eigenen Ausweispapieren und eigenem Sicherheitsdienst. Ein Staat, im Staat soll es sein, oder genauer gesagt ein Königreich mit absolutistischem Herrscher. Man mag es gar nicht glauben, aber das gibt es tatsächlich. Absurdistan mit Mantel und Krone mitten in Sachsen-Anhalt. Speaker 4 Und wie viele Menschen waren denn dann Teil von diesem Königreich Deutschland? Speaker 2 Wir haben im Sommer, im Frühsommer 2022 eine aktuelle Liste des Königreiches bekommen. Die umfasst etwa 4.500 Namen. Nun muss man zur Einschränkung sagen, diese Liste enthält auch Karteileichen. Er hat zum Beispiel seine Ex-Frau, die wir in Wittenberg mal besucht haben, auch auf diese Liste gesetzt und sie hat gesagt, sie hatte nie was mit diesem Königreich am Hut und noch nie was zu tun, die war ganz verblüfft. Es gab auch Leute, die am Anfang, noch vor der Zeit des Königreiches, eigentlich in Gründung dabei waren, denen es dann zu autoritär wurde, die dann weggegangen sind. Leute, die sich sozusagen auf ihrer Sinnsuche dann anderweitig orientiert haben. Die Leute stehen da auch alle drin. Aber es ist auch völlig, es gab einen großen Zuwachs in der Corona-Zeit. Speaker 4 Was kannst du uns über die Menschen sagen, die Mitglieder in diesem sogenannten Königreich waren? Speaker 2 Sagen wir mal, in der typischen Reichsbürger-Szene ist es ja eher so der Mann Ü50, oft selbstständig, der irgendwie Probleme mit dem Finanzamt kriegt, weil vielleicht die Firma nicht ganz so gut läuft und der dann auf die Idee kommt, durch den Austritt, inneren Austritt aus der Bundesrepublik, Um dieses Steuerthema rumzukommen, ist so ein Prototyp, der sich so ein bisschen bei der Reichsbürgerszene, die wir so über die Jahre beobachtet haben, rausschält. Bei Peter Fitzek habe ich das in seinen Königsreich-Anhängern ein bisschen differenzierter wahrgenommen. Da sind zum Teil auch sehr junge Leute dabei gewesen oder jüngere Leute. Wahrscheinlich gibt es doch nicht wenige Leute, die so einen Erlösungswunsch haben, so eine Sehnsucht nach der Alternative. Und offenbar, dass in diesem Königreich mit seinen eigenen Regeln und als Gegenstaat zu allem, was sozusagen an alltäglichen, banalen und schlimmen Problemen existiert, möglich ist. Speaker 4 Und wenn das so viele Menschen sind, die offenbar auf Sinnsuche waren oder sind, warum finden die ausgerechnet Peter Fitzek so toll oder beeindruckend? Speaker 2 Naja, er ist jemand, der charismatisch ist, der charismatisch auftreten kann und der extrem viel Selbstbewusstsein ausstrahlt und natürlich auch den anderen vermittelt. David Begrich, der Rechtsextremismusforscher, der ihn ja über lange Jahre beobachtet, hat uns ja gesagt. Speaker 7 Es gibt Menschen, die kommen zur Tür rein, machen die Tür auf und sind einfach da und es gibt Menschen, die treten auf. Und Fitzek hat sich, glaube ich, über die Jahre sozusagen die Fähigkeit zugelegt, wenn er einen Raum betritt, nicht einfach im Raum zu sein, sondern aufzutreten. Speaker 2 Das imponiert offenbar Leuten und es gibt Leuten offenbar auch Halt. Speaker 4 Es geht also viel um das Charisma von Peter Fitzek, sagst du. Fitzek ist ja Ende der 90er schon zum Beispiel durch eine Nähe zum Rechtsextremismus aufgefallen. Wie tritt er ideologisch in dieser Zeit als selbsternannter König auf? Speaker 2 Was man wirklich als Muster findet, da zieht sich so ein Antisemitismus als Grundierung durch, der sich gerade in den jüngsten Jahren auch sehr explizit geäußert hat. Speaker 3 Viele fragen mich immer nach den Hintergründen zu der politischen Lage, in der wir gerade stecken. Diese Fronten sollen aufgebaut werden und sie werden von einer im Hintergrund stehenden Organisation aufgebaut, wie man Habak nennt. Speaker 2 Da hat er in einem Video des Königreiches mal erklärt, dass Chabad, also eine religiöse jüdische Organisation, hinter allem steckt und die Welt steuert. Speaker 3 Dass Herr Putin von der Chabad weitestgehend erzogen wurde. Wenn man mal schaut, wer Herr Zelensky ist, er ist auch im Prinzip jüdischer Abstammung und Teil der Chabad. Speaker 2 Alle Politiker hatten Bilder mit Putin und Zelensky, da waren dann irgendwie Chabad-Vertreter bei denen zu Besuch, zu irgendwelchen Anlässen. und er hat es als Beispiel genommen, dass alle Politiker, egal welcher Couleur, von dieser Organisation gesteuert werden. Das ist, wie gesagt, eine rein religiöse Organisation, die in vielen Ländern auch karitative Arbeit leistet. Und man bleibt natürlich übrig, wenn die anderen alle gesteuert werden, bleibt natürlich als Schlussfolgerung übrig, ich, König Peter, bin der Einzige, der nicht gesteuert wird. Das ist also erst mal ein funktionaler Antisemitismus, daher das aber über so lange Zeit vertreten hat. Erst implizit, dann später explizit, würde ich schon sagen, dass das Ende seiner Grundüberzeugung ist. Speaker 4 Und vor dem Hintergrund dieser antisemitischen Grundüberzeugung von Peter Fitzek, wie sind denn seine Anhänger politisch einzuordnen? Speaker 2 Das ist ein Spektrum. Es gibt Leute, die würden sich als total unpolitisch bezeichnen, die suchen nach so einer Märchenwelt im realen Leben und hoffen, dass sie durch jemanden wie Peter Fitzsig die finden. Es gibt auch Leute, die sind knallhart antisemitisch. Ich glaube, gerade in den Jahren der Corona-Zeit sind denn Leute dazukommen, die man nicht klassisch in diesem Rechts-Links-Schema verorten kann, sondern ich würde sagen, so Weltflüchtige, die zunächst sich so eine esoterische Nische gesucht haben, um vom Umbild der Welt sozusagen möglichst weit entfernt zu sein. Was diese Gruppe von einem Teil der anderen Reichsbürgergruppen, zum Beispiel der Reuss-Gruppe, unterscheidet, ist es keine Gruppe, die im gewalttätigen Sinne militant ist oder nach Waffen strebt. Das unterscheidet sie wirklich von den extremen militanten Teilen der Reichsbürgerszene. Speaker 4 Das mutmaßliche Reichsbürgernetzwerk um Prinz Reuss soll ja den gewaltsamen Umsturz der Bundesregierung geplant haben. Dazu haben wir auch schon eine FKM-Folge gemacht, die verlinken wir euch in den Shownotes. Peter Fitzsäcks Königreich war nicht militant und nicht auf Gewalt aus, sagst du. Wie gefährlich ist so ein selbsternanntes Königreich mit seinen tausenden Anhängern trotzdem? Speaker 2 Gefährlich macht sie natürlich ihre konsequente und penetrante Missachtung der Regeln unseres Gemeinwesens. Er war, glaube ich, überzeugt, er kann tatsächlich ein eigenes Staatswesen gründen. Er ist da so überzeugt von seinen Fähigkeiten, dass er das alles überblicken und leiten kann. Und ich glaube, vor allen Dingen dient es auch darum, damit er sozusagen herrschen kann. Speaker 8 Fizek gründet eine Krankenkasse, eine Rentenkasse, führt eine eigene Währung ein. Und nun die Königliche Reichsbank. Fizek verspricht eine angeblich sichere Geldanlage. Speaker 2 Und nun hat er früh mit diesen Versicherungs- und Bankgeschäften angefangen, die mir schon deshalb untersagt werden mussten, weil wenn jeder eine Bank gründen würde in unserem Land und es keine Regeln dafür gäbe, dann bestünde ja die Gefahr, dass Leute Opfer von Betrügern wären und der Staat dann sozusagen tausende Leute, die davon betroffen sind, aus der Armut retten muss. Das ist ja schon mal einen ganz praktischen Grund. Speaker 4 Hat der Staat da auch aktiv eingegriffen? Speaker 2 Diese Geschäfte wurden ihm von Anfang an von der BaFin untersagt. Die BaFin ist die Bundesbehörde für die Banken, für die Aufsicht über Bank- und Finanzdienstleistungen. Speaker 10 Mehr Rendite als jede normale Bank wollte er zahlen. Der Koch war zum Bankdirektor aufgestiegen. An die 1,3 Millionen Euro sollen in das Königreich geflossen sein. Die suchen nun die Steuerfahnder und die Bankenaufsicht. Beschlagnahmen Akten und Computer. Speaker 2 Und die Bafin war die einzige Behörde, muss man ganz klar sagen, die von Anfang an konsequent seit 2010 gegen seine Geschäfte vorgegangen ist. Speaker 11 Denn wenn man überlegt, dass jemand einfach in der Fußgängerzone der Lutherstadt Wittenberg eine königliche Reichsbank aufmacht und hat gar keine Bankengenehmigung dafür, dass da die BaFin zuständig ist und tätig wird, kann man sich vorstellen. Speaker 2 Der Abwickler Stefan Oppermann, den die BaFin dann später eingesetzt hat wegen der verbotenen Bank- und Krankenversicherungsgeschäfte, Speaker 11 der hat seit 2012 immer wieder diese Fälle von der BaFin, die Fizek und sein Königreich betrafen, auf den Tisch bekommen. Das Ganze gepaart mit einer eigenen Krankenversicherung, die man aufgemacht hat. Auch dafür braucht man eine Genehmigung. Nicht jeder in Deutschland kann einfach eine Versicherung aufmachen. Speaker 2 Und beides hat die BaFin für rechtswidrig befunden. Nun sind es natürlich rechtsstaatliche und bürokratisierte und teilweise langwierige Verfahren. Aber die BaFin hat alle Gerichtsverfahren diesbezüglich auch gewonnen. Und da wurden dann auch sozusagen Grundstücke eingezogen für die Rückabwicklung dieser Geschäfte. Fitzek hat sich davon nicht beeindrucken lassen, obwohl er mehrfach und immer wieder bescheinigt bekam, dass es rechtswidrig ist, was er macht. Hat er weitergemacht. Nachdem er dieses Krankenhaus in Sachsen-Anhalt durch die Bafin-Beschlagnahmung verloren hat, ist er dann nach Sachsen gegangen. Er hat dort mehrere Schlösser, Grundstücke gekauft und hat dann versucht, über Tricks die gleichen Geschäfte auf andere Weite weiterzuführen. Er hat Grundstücke gekauft von Leuten, die dringend händeringend einen Käufer gesucht haben, hat ihnen eine Summe gegeben, die über dem lag, was sie erwartet haben und hat den Leuten dafür sozusagen abgerungen, dass die eigentlichen Besitzer oder die ursprünglichen Besitzer im Grundbuch bleiben, sodass er keinen offiziellen Kaufvertrag schließen musste, aber trotzdem über die Immobilie verfügen konnte. Speaker 4 Du meintest ja, er wäre immer so von Ort zu Ort gezogen. Was haben denn da die örtlichen Behörden auch gegen ihn gemacht oder was konnten die überhaupt gegen ihn machen? Speaker 2 Wie vor Ort reagiert wurde, hing immer so ein bisschen davon ab, wie die Bürgermeisterin, der Bürgermeister eingestellt ist. Speaker 12 Wir haben in Boxberg in der Oberlausitz gedreht mit Hendrik Alko. Unsere erste Aufgabe und Zuständigkeit ist natürlich so ganz einfache Sachen wie das Baurecht. Speaker 2 Boxberg ist die flächenmäßig größte Gemeinde von Sachsen. Es ist eine Gegend, die sehr vom Braunkohletagebau gekennzeichnet und teilweise gezeichnet ist. Es sind viele Arbeitsplätze nach der Wiedervereinigung verloren gegangen, enormer Bevölkerungsrückgang, aber auch neue Seen in den Tagebaulöchern. Also eine Gemeinde, wo man genug zu tun hat. Und er hat uns dann erzählt, dass er dann schon verblüfft war, dass ihm auf einmal Leute erzählt haben, dass sich dort eine komische Gruppe von 60, 70 Leuten in so einem alten Schloss in einem Ortsteil Berwalde niedergelassen hat. Und es ist dann später kulminiert im Oktober 23, als es dieses große Reichsbürgertreffen dort in dem Schloss Berwalde geben sollte. Und da sollte auch ein verurteilter Holocaustleugner als Gastredner auftreten. Der Bürgermeister hatte gesagt, er hatte sich mehrfach an die Vizek-Truppe gewandt. "Ihr müsst uns sozusagen Sachen schicken. Also ihr müsst uns sagen: Wo sind Fluchtwege? Wie viele Leute kommen? Und so weiter." Und da gab es keine Reaktionen. Speaker 12 Wir hatten bei der Veranstaltung einfach ganz normale Fragen gehabt, die jeder Dorfclub auch nennen muss. Und da wollte man nicht darauf antworten. Man hat dann immer sofort nur gesagt, wir sind die zuständig, weil UN, Genfer Abkommen, bla bla bla. Speaker 2 Aber weil die nicht bereit waren, dort zu reagieren, beziehungsweise zu handeln, hat er diese Veranstaltung untersagt. Speaker 12 Wenn die sich an alle Regeln dort gehalten hätte, hätte die Veranstaltung stattgefunden. Speaker 4 Das Beispiel in Boxberg zeigt also, dass Behörden durchaus erfolgreich gegen Peter Fitzek vorgehen konnten. Zum Beispiel, indem sie einfach auf die Einhaltung von kommunalen Regeln gepocht haben. Aber Fitzek hat trotzdem immer weitergemacht. Wie kam es denn letztlich zum Ende des Königreichs? Speaker 2 Ende 23 hat die BaFin dann wieder unerlaubte Geschäfte des Königreichs und von Fitzek und seinen getreuen verboten. Und dazu gehörte halt auch dieses Objekt in Beervalde, Boxberg. Und es wurde dann eingezogen. Fizek hat es natürlich nicht angefochten. Er hatte zu dieser Zeit dann schon ein neues Objekt. Das ist auch das letzte große Objekt gewesen, Halsbrücke bei Dresden. Ein sehr großes Gut, sehr schön saniertes Gut vom Vorbesitzer. Und dahin hat er dann den Hauptsitz verlegt. Und da ging es dann weiter bis zur Razzia im Mai 2025. Speaker 10 Der Treffpunkt ist geheim. In einem Waldstück kurz vor Wittenberg haben sich 100 Steuerfahnder, Beamte der Bundesfinanzaufsicht und Polizisten eingefunden. Ihr Ziel, Razzia im sogenannten Königreich von Peter Fitzek. Speaker 13 Innenministerium verbietet Königreich Deutschland. Der Verein ist eine der bundesweit bekanntesten Reichsbürgervereinigungen. Innenminister Dobrindt sagte, Speaker 14 Ja, sehr geehrte Damen und Herren, heute früh hat es eine Aktion gegen einen Verein und Personen der Reichsbürgerszene gegeben. Der Verein Königreich Deutschland und weitere Teilorganisationen wurden heute verboten. Das Vermögen des Vereins wird eingezogen. Speaker 2 Bundesinnenminister Alexander Dobrindt hat ja am Tag des Verbots begründet, warum der Staat gegen das Königreich Deutschland dieses sogenannte Vereinsverbot eingesetzt hat. Speaker 14 Es handelt sich hier nicht, was vielleicht auch so ein Titel des Vereins vermuten lassen könnte, um harmlose Nostalgiker, sondern es handelt sich hier um kriminelle Strukturen und ein kriminelles Netzwerk und deswegen wird es heute verboten. Speaker 2 Es gibt jetzt irgendwann wahrscheinlich eine Anklagehebung. Also ich sitze jetzt seit Mai und dann gibt es ja einen Beschweigungsgrundsatz. Also ich denke mal, Ende des Jahres wird man Anklage erheben. Dann muss das zuständige Gericht entscheiden, ob und inwieweit in Teilen oder ganz diese Anklage zulässt. Und dann wird es irgendwann einen Prozess geben. Speaker 4 Hat sich Peter Fitzsack selbst zu den Vorwürfen geäußert? Speaker 2 Nee, wir hatten in seiner Anwälte angeschrieben, da kam keine Reaktion. Speaker 4 Das ganze Wirken von Peter Fitzek, sag ich mal, das erstreckt sich von den 90er Jahren bis heute. Warum hat es so lange gedauert, bis dieses Königreich Deutschland verboten wird und Fitzek dafür in Haft kommt? Speaker 2 Das waren natürlich auch teilweise neuartige Phänomene, mit denen man erstmal einen Umgang finden musste. Also, dass jetzt jemand ständig mit Fantasie-Kennzeichen und mit einer selbst gemalten Fahrlaubnis durch die Gegend fährt, kommt jetzt glaube ich auch nicht so häufig vor. Und ich glaube, es braucht dann auch erstmal einen Moment, bis man merkt, dass das nicht nur reine Spinnerei ist und nicht nur sich auf diese Kennzeichen bezieht. Ich glaube, es waren zum Teil neuartige Phänomene wie, glaube ich, und es gibt so viele Leute, die mal freiheitlich eine Bank oder eine Versicherung gründen. Wenn das in der Routine der Behörden bisher nicht vorkommt, dann ist man da erstmal überfordert. Darauf mussten sich die Behörden jeweils einstellen, dass es dann am Schluss schneller geworden ist. Ich glaube, damit zusammen, dass in Sachsen die Behörden, ob die Kommunen, der Freistaat, der Verfassungsschutz und die Polizei, dass die besser zusammengewirkt haben, als es vorher in Sachsen-Anhalt der Fall war. Da wurde, glaube ich, so sehr isoliert von den einzelnen Behörden behandelt. Speaker 4 Das ging ja einfach über viele, viele Jahre. Was können wir denn aus diesem Fall lernen über den Umgang mit solchen Menschen, mit der Reichsbürgerszene? Speaker 2 Es ist sehr schwer, Leute, die dort wirklich richtig tief eingestiegen sind, dort wieder rauszuholen. Ist so ein bisschen wie so eine Gehirnwäsche. Also wir machen seit 2012 diese Recherchen zur Reichsbürgerszene. Wir kennen Reichsbürger, die dort aktiv sind, teilweise auch schon seitdem. Und das Frappierende ist, in der ganzen Zeit habe ich eine einzige Person erlebt, die den Ausstieg aus dieser Szene geschafft hat. Vielleicht zufällig, vielleicht auch nicht, eine Frau, die durch ihren Mann, bei dem dann auch wegen illegaler Waffen durchsucht wurde, in diese Szene geraten ist, die hat sich von dem Mann und von der Szene getrennt. die hat sozusagen ihr eigenes Denken wiedergefunden. Und ich glaube, es gibt Ausstiegsberatung über die Verfassungsschutzämter der Länder. Aber ich glaube, der Zugang, um diese Leute überhaupt zu erreichen, ist sehr schwierig. Und da ist es meiner Meinung nach bisher noch nicht wirklich gelungen, Zugang zu finden, wie man Leuten, also wie man vielleicht niedrigschwellig Leuten ein Ausstiegsszenario anbietet. Speaker 4 Was bedeutet denn die Verhaftung von diesem sehr prominenten Peter Fitzek für die Reichsbürgerszene? Speaker 2 Die größte geschlossene Gruppe, sage ich es jetzt mal so, innerhalb der Reichsbürgerszene, ist damit aufgelöst. Möglicherweise für immer. Ansonsten würde ich sagen, dass die Szene nicht unbedingt berührt ist, weil die Szene ist, wie gesagt, sehr heterogen. Sie zieht gerade seit Corona viele tausende Leute neu an oder hat viele tausende Leute neu angezogen. und das Problem der Reichsbürgerei sind wir damit nicht los, weil es gibt immer noch und immer wieder genug Leute, die das als Ausweg sehen, um sich vor dem Alltag, den Steuern und den Regeln der Bundesrepublik zu verabschieden. Das ist leider nicht das Ende des Reichsbürgertums in Deutschland. Speaker 4 Vielen, vielen Dank, Thomas. Speaker 2 Ich danke dir auch. Ciao. Speaker 4 Thomas Dutt beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Peter Fitzek und seinem mittlerweile verbotenen Königreich Deutschland. Den Film über den selbsternannten König, den Thomas und seine Kollegen für das MDR-Reporter-Format Exekly gemacht haben, den packen wir euch in die Shownotes. Autor dieser Folge ist Julius Pretzel. Mitgearbeitet haben Niklas Münch und Lukas Waschbüsch. Produktion Pia Janssen, Adele Messmer, Christine Frey, Hanna Brunius und Marie-Noëlle Svila. Produktsionsleitung Lena Gürtler und Fumiko Lib. 11KM ist eine Produktion von BR24 und NDR Info. Mein Name ist Elena Kuch. Wir hören uns. Wenn ihr täglich auf dem Laufenden bleiben wollt, auch in Sachen Nachrichten, dann empfehlen wir euch noch einen anderen Podcast. 6.30 Uhr heißt er, weil er jeden Morgen ab 6.30 Uhr online ist. In um die 20 Minuten gibt es da Montag bis Freitag die wichtigsten Nachrichten für den Tag. Aber da wird auch nicht einfach steif vorgelesen, sondern die Hosts sprechen so, wie ihnen der Mund gewachsen ist. Und manchmal wird es persönlich, manchmal witzig, manchmal emotional. Also eigentlich fast wie einer der Laber-Podcasts, die ihr vielleicht kennt, nur dass es um Politik, Gesellschaft und solche Themen geht. Und dass man sich als Hörerin auch Themen wünschen kann oder zu Themen seine Meinung sagen kann. Den Link zum 6.30 Podcast, den packen wir euch in die Folgen beschreiben.